Vater werden ist nicht schwer

Antworten von Maga Drin Stephanie Posch LLB oec., Frauenbeauftragte, AK Salzburg

Ein beliebtes Rollenspiel im Kindergarten. Die klare Verteilung der Aufgaben – Väter gehen arbeiten, Mütter versorgen die Kinder – setzt sich fort bis zur Familiengründung im Erwachsenenalter. Doch der Plan mit den fix verteilten Rollen geht heute nicht mehr so richtig auf.

Warum gehen nur wenige Väter in Karenz?

Die Geburt eines Kindes hat für erwerbstätige Männer und Frauen noch immer sehr unterschiedliche Auswirkungen. Während es bei Vätern vielfach zu einer Ausweitung der Arbeitszeit kommt, unterbrechen Mütter die Berufstätigkeit und/oder arbeiten in Teilzeit. Die Erziehung, Betreuung und Pflege von Kindern erfordert einen hohen Aufwand an Zeit und Organisation, der zum überwiegenden Teil noch immer von Frauen getragen wird.

Studien belegen, dass Männer der jüngeren Generation das traditionelle Rollenbild zunehmend in Frage stellen und sich vor allem junge Väter eine aktive Vaterrolle wünschen, ihren Partnerinnen Partner sein wollen und sie diese unterstützen möchten. Trotzdem bewegt sich der Anteil der Väter bei den KindergeldbezieherInnen seit Jahren im einstelligen Bereich (derzeit 4,4%).

Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Kinderbetreuungsgeldmodellen. So ist der Väteranteil bei den Kurzmodellen, insbesondere beim einkommensabhängigen Modell (7%), deutlich höher als bei der Langvariante des Kinderbetreuungsgeldes (3,3%).

Überholte Rollenmuster von Arbeitgebern, aber auch Vorgesetzten oder Arbeitskollegen und Arbeitskolleginnen machen es Vätern oft nicht leicht, Väterkarenz oder Elternteilzeit umzusetzen. Wenn Väter auf Barrieren bei der betrieblichen Umsetzung von Elternteilzeit oder Väterkarenz stoßen, neigen sie dazu, eher darauf zu verzichten und weiter Vollzeit zu arbeiten, während Frauen in der gleichen Situation typischerweise eher auf den Wiedereinstieg zum gewünschten Zeitpunkt verzichten.

Was muss sich verändern, damit mehr Väter in Karenz gehen?

Die Beteiligung der Väter an der Kinderbetreuung ist ein wichtiger Schritt für die faktische Gleichstellung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt. Die Weichenstellung für bessere finanzielle Anreize für Väter wurde durch die Flexibilisierung beim Kinderbetreuungsgeld bereits umgesetzt. Nun ist es wichtig, dass auch arbeitsrechtliche Hürden beseitigt werden.

folgende Maßnahmen sind notwendig:

  • Die Schaffung eines eigenständigen Karenzanspruches für Väter: Derzeit kann ein Vater nur nach der Schutzfrist oder der Karenz der Mutter in Karenz gehen – hat die Mutter aber keinen Karenzanspruch (z. B. wenn sie sich in Ausbildung befindet), kann es zu Problemen für den Vater bei der Inanspruchnahme kommen, wenn er nicht sofort nach der Schutzfrist in Karenz geht.
  • Die Schaffung einer gesetzlichen Regelung, dass Karenz und Elternteilzeit gleichzeitig möglich ist.
  • Einführung eines bezahlten Papamonats auch für die Privatwirtschaft: Väter sollen bei der Geburt ihrer Kinder einen Rechtsanspruch auf vier Wochen Freistellung mit finanziellem Ausgleich und Kündigungsschutz haben. Dieser Papamonat soll Männern die Gelegenheit bieten, in den ersten Lebenswochen Zeit für ihr Kind zu haben und die Grundlage für eine gute Vater-Kind-Beziehung zu legen.
  • Elternorientierte Personalpolitik mit Fokus auf die Väter: Sensibilisierung von Betrieben, damit Väter, die in Karenz oder Elternteilzeit gehen wollen, keine Benachteiligungen im Job erfahren. Die oberste Führungsebene muss signalisieren, dass elternorientiertes Verhalten von Vätern erwünscht ist und ein Gewinn für das Unternehmen darstellt. Männliche Führungskräfte, die aktiv ihre Vaterrolle wahrnehmen, müssen zu Vorbildern im Betrieb werden.

Der von jungen Vätern gefürchtete Karriereknick ist ein Mythos, wie eine aktuelle Studie des Joanneum Research belegt: Karenzväter verdienen zwei Jahre nach der Beendigung ihrer nachwuchsbedingten Auszeit gleich viel wie ihre männlichen Kollegen, die den Karrierepfad nicht verlassen haben.

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