Arbeiten bis zum Umfallen?

Antworten von Mag. Dr. Helmut P. Gaisbauer, Lektor am Fachbereich Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Salzburg, Researcher am Zentrum für Ethik und Armutsforschung

Zunehmend mehr Menschen macht die Arbeit krank. Immer mehr Arbeit muss in immer weniger Zeit erledigt werden, die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt stetig. Gute Arbeit kann entscheidend dazu beitragen, dass Schaffenskraft wie auch Gesundheit der Menschen erhalten bleiben.

Was ist unter der viel zitierten „guten“ Arbeit zu verstehen?

Gute Arbeit ist menschenwürdige Arbeit. Die Internationale Arbeitsorganisation bemüht sich in ihrer Beschreibung von menschenwürdiger Arbeit um Rahmenbedingungen, die „strukturelle Erniedrigung am Arbeitsplatz“ (Clemens Sedmak) zu verhindern sucht.

Es geht um die Erwartungen, die Menschen an die Erwerbsarbeit haben; es geht um die Freiheit, produktive und angemessen vergütete Arbeit zu wählen und um die Freiheit, Anliegen einzubringen, in (ge-)wichtigen Entscheidungen im Rahmen des sozialen Dialogs mitzubestimmen, sowie um die Freiheit, sich zu organisieren; es geht um Sicherheit am Arbeitsplatz, um sozialen Schutz von Arbeitnehmer/innen und deren Familien und um Chancengleichheit und Gleichbehandlung; es geht um die Aussicht auf persönliche Entwicklung und soziale (Wieder-)Eingliederung.

Im Hinblick auf die Verwirklichung dieser „klassischen“ Vorstellung von menschenwürdiger Arbeit ist festzustellen, dass auch hier keine einfache Entwicklung von schlecht/mangelhaft hin zu gut/ausreichend bemerkbar ist, sondern sich die Wirklichkeit in vielen Fällen dramatisch von diesem Ideal wegbewegt. Ein völlig neuer Ansatz sollte daher nicht auf Kosten dieses klassischen Ideals gesucht werden, sondern eher als Weiterentwicklung zu suchen sein.

Eine Möglichkeit wäre, alle Formen von arbeitender Tätigkeit, und nicht nur solche, die herkömmlich als Erwerbsarbeit bezeichnet werden, unter diese idealen Blickwinkel zu stellen. Warum sollte nicht auch in Bezug auf Care-Arbeit (Pflege und Betreuung) und Familienarbeit angemessene Vergütung möglich sein? Wie ist es um die Sicherheit am Arbeitsplatz „Haushalt“ oder „Pflege“ bestellt? Was ist notwendig, um die Freiheit der Wahl zu stärken? Wo liegen Hindernisse und Möglichkeiten für vermehrte persönliche Entwicklung und soziale Eingliederung?

Ein Gedanke zu „Arbeiten bis zum Umfallen?

  1. Ein kleiner Überblick über die Erwerbssituation und Ökonomische Situation von Alleinerziehern

    • Alleinerzieherinnen sind häufiger und in einem größeren Ausmaß erwerbstätig als andere Mütter. In der Gruppe der 30- bis 34-Jährigen mit Kindern aller Altersgruppen betrug die Erwerbsbeteiligung 2001 rund 91%.
    • Der (Erwerbs-)Alltag von Alleinerziehenden zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Alleinverantwortung für die Organisation des Alltags mit dem Kind haben und alleine die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bewältigen müssen, wodurch sie häufig von verschiedenen, sich teilweise widersprechenden Rollenanforderungen überlastet werden.
    • Alleinerziehende Frauen werden tendenziell als sogenanntes randständiges Arbeitskräftepotenzial genutzt, d. h. sie werden aufgrund ihrer höheren Ausfallsquoten von Unternehmensseite wenig geschätzt. Wegen ihrer schwierigen Vereinbarkeitssituation müssen sie sich oft mit niedrigen Tätigkeiten und geringerer Bezahlung abfinden.
    • In Österreich mangelt es insbesondere an Einrichtungen zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren, aber auch die Öffnungszeiten der Kindergärten und die schulischen Unterrichtszeiten sind nicht mit einer Ganztagsbeschäftigung in Einklang zu bringen.

    • In allen europäischen Staaten liegt das Durchschnittseinkommen von Ein-Eltern-Familien deutlich unter jenem von Familien mit zwei Elternteilen. Sie sind häufiger armutsgefährdet als andere Familientypen und öfter von Sozialleistungen abhängig. Auch leiden sie unter eingeschränkter sozialer Teilhabe und – sofern sie Migrationshintergrund aufweisen – unter deutlich schlechteren Wohnbedingungen.
    • Die staatlichen Leistungen für Alleinerziehende variieren in den verschiedenen Bundesländern. (Beispiele: Wohnbeihilfe, Kinderbetreuungsbeihilfe, Sozialhilfe, Familienzuschuss, Notstandshilfe)
    • Vater-Kind-Familien und Witwenfamilien sind finanziell besser gestellt als andere Alleinerziehende.

Schreibe einen Kommentar