Tückische Fallen und Lücken

Knapp 50 Prozent der Frauen in Österreich tappen also in eine Falle – in die Teilzeitfalle nämlich. Doch damit nicht genug: nach vielen Jahren in besagter Falle entsteht eine Lücke, und zwar eine, die monatlich immerhin 613 Euro ausmacht. Nämlich dann, wenn man die durchschnittliche Pension eines Mannes mit jener einer Frau vergleicht. Worin das mündet, darüber ist regelmäßig in den Medien zu lesen: der Altersarmut. Von Frauen versteht sich. Weil die meisten Beziehungen nicht ewig halten und kein adäquates Versorgungsmodell sind.

Doch diese Altersarmut ist nur zum Teil hausgemacht. Überwiegend sind es strukturelle oder gesellschaftspolitische Gründe, dass Frauen in Sachen Gehalt bzw. Pension schlechter dastehen als Männer. Nehmen wir zum Beispiel die unbezahlte Arbeit, also Kindererziehung, Pflege und Hausarbeit. Männer wenden dafür wöchentlich rund 18 Stunden auf, Frauen hingegen rund 31 Stunden (Statistik Austria, Zeitarbeitsstudie). Das sind für Frauen täglich schon 4,42 Stunden, in denen sie keiner Erwerbstätigkeit nachgehen können.

Schlafen muss Frau auch irgendwann, damit sie sich am nächsten Tag wieder ihren vielen Aufgaben widmen kann. Also ziehen wir noch 8 Stunden pro Tag dafür ab, macht in Summe 12,42 Stunden. Dann ist der halbe Tag schon um, bleiben 11,58 Stunden – in denen theoretisch Geld verdient werden kann. Allerdings haben Frauen neben Arbeit, Hausarbeit, Pflege und Kinderbetreuung auch noch eigene Interessen. Sie möchten soziale Kontakte pflegen, entspannen, Freizeitbeschäftigungen nachgehen, ach und auch mal was essen …  Dafür veranschlagen wir 2 Stunden pro Tag (völlig illusorisch zwar, aber ist ja alles nur theoretisch). Bleiben 9,58 Stunden pro Tag.

Theoretisch kann Frau dann an 5 Tagen die Woche jeweils 8 Stunden an ihrem Arbeitsplatz verbringen und Geld verdienen. Was allein schon aufgrund der Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen kaum möglich ist oder in Ferienzeiten, in denen die Kinder ebenfalls betreut werden müssen. Oder wegen der fehlenden/teuren Betreuung für Schulkinder. Und die vielen anderen Dinge, die erledigt werden müssen und um die sich sonst niemand kümmert. Frauen hätten täglich noch einen Zeitüberschuss von 1,58 Stunden zur freien Verfügung. Wenn da nicht Kinder wären, die krank werden oder anderes Unvorhergesehenes passiert.

Sie meinen, zu theoretisch? Stimmt wahrscheinlich. Doch sind nicht auch die Diskussionen immer zu theoretisch? Einzig sinnvoll wäre, die Rahmenbedingungen den Gegebenheiten anzupassen und nicht umgekehrt. Mehr Väterkarenz, bessere Entlohnung von typischen Frauenberufen (speziell der Carearbeit), existenzsicherende Einkommen, Neubewertung der Arbeit, Bewusstsein der Männer schärfen, dass Veränderungen der Strukturen ihnen gleichermaßen zugutekommen, Neuverteilung der Arbeit, Verkürzung der Ferienzeiten, Anhebung der Altersgrenze auf 15 Jahre für die Abschreibung von Kinderbetreuung ..

Und alle Männer, die laut aufschreien, wenn es um Gender Pay Gap und Chancengleichheit geht: erstens profitieren sie ebenfalls von einer Veränderung (mehr Einkommen für Frauen = mehr Familieneinkommen = mehr Zufriedenheit = mehr Freizeit = mehr Gesundheit) und zweitens hätten sie mehr Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen können. Kinderlose Frauen und Männer würden mehr Zeit für sich und ihre Hobbys haben.

Eine Neubewertung der Arbeit (höhere Bewertung von Tätigkeiten, die der gesamten Gesellschaft dienen) würde ein Gleichgewicht bringen und Frauen aus der Teilzeit- und Armutsfalle herausholen.

Die Alten werden immer jünger

Die Arbeitslosenquote steigt, der Arbeitsmarkt verändert sich, immer mehr ältere Menschen finden keine Arbeit. Das liegt laut neuesten Erhebungen nicht etwa daran, dass die Arbeitslosenquote der über 50-Jährigen gestiegen ist – es liegt am demografischen Wandel. Was wiederum heißt, dass der Anteil der Menschen über 50 Jahren an den Arbeitslosen höher ist.

Die Gesellschaft überaltert, das ist nichts Neues. Neu ist, dass älter sein bereits mit 45 beginnt. Also nach heutiger Lebenserwartung in der „Blüte“ des Lebens, in der Lebensmitte. Ziemlich grotesk, oder? Manche Frauen werden in diesem Alter erstmals Mutter, fangen beruflich noch einmal neu an oder haben ihr Karriereziel eben erreicht.

Lifestylemagazine titeln gar, dass Frauen mit 50 (für den Arbeitsmarkt bereits ein Dinosaurier) in der Blüte ihres Lebens stehen und sich so jung fühlen wie nie. Wenn ihnen allerdings die Lebensgrundlage, nämlich eine existenzsicherende Arbeit, entzogen wird, ist es mit der Blüte schnell vorbei. Denn ohne Geld und Aussicht auf einen neuen Job lebt es sich gleich nicht mehr so schön.

Die Definition von Alter in unserer Gesellschaft und der Umgang damit sollte uns  jedenfalls nachdenklich stimmen. Wir sind zwar mit 45 bereits zu alt für den Arbeitsmarkt, nach Anhebung des Frauenpensionsalters müssen wir uns aber noch 20 Jahre auf diesem Arbeitsmarkt halten. Die Frage ist nur: wie?

 

#2 Arbeit in Österreich

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Das wirkt sich vor allem negativ für die Frauen aus: auf die Einkommen und später auf die Pension. Maßnahmen, die dieses Ungleichgewicht beseitigen würden, gäbe es (lt. OECD 2015), hier einige Beispiele:

– Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen
– mehr Väterbeteiligung während der Elternzeit
– Abschaffung der langen Varianten des Kindergeldes
– mehr Information für Jugendliche zu den Auswirkungen von Berufs- und Studienwahl
– Verbesserung der Vereinbarkeit von Seiten der Unternehmen

Und auch ökonomische Vorteile bringt eine Modernisierung der Geschlechterrollen.

Wenn mehr Chancengleichheit und Gleichberechtigung allen mehr bringt, worauf warten wir noch?

Gleichstellung: noch viel zu tun

Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt –
noch viel zu tun!

Anlässlich 20 Jahre Frau & Arbeit hat Drin Margit Schratzenstaller (WIFO)
einen Impulsvortrag gehalten, den Sie hier nachlesen können:

In Österreich bestehen nach wie vor erhebliche Gleichstellungsdefizite zwischen Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt. Darauf deuten eine Reihe von einschlägigen Indikatoren hin, die auch zeigen, dass die Gleichstellungsdefizite im internationalen Vergleich relativ stark ausgeprägt sind. So liegt zwar die Erwerbstätigenquote von Frauen mit etwa 68% um etwa 10 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt (58%), aber gleichzeitig um etwa 10 Prozentpunkte unter jener der Männer. Die deutliche Zunahme der Erwerbstätigenquote der Frauen in den letzten zwei Jahrzehnten ist zu einem beträchtlichen Teil auf zusätzliche Teilzeitarbeitsplätze zurückzuführen: Inzwischen arbeiten 46% der österreichischen Frauen in Teilzeit (gegenüber etwa 8% bei den Männern); Österreich hat damit eine der höchsten Teilzeitquoten von Frauen in der EU und befindet sich um etwa 20 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt.

Nach wie vor große Unterschiede

Ebenso weist die Beschäftigungsqualität deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede auf. Die Hälfte der Frauen arbeiten in atypischen Beschäftigungsverhältnissen (Teilzeitarbeit, befristete Beschäftigungsverhältnisse, Leiharbeit), bei den Männern sind es nur 15%. Deutlich unter dem EU-Durchschnitt und nur sehr langsam steigt schließlich die Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen. 2014 betrug in den Top-200-Unternehmen der Frauenanteil in Geschäftsführungen 5,6% und in Aufsichtsräten 13,9%. In den börsennotierten Unternehmen waren 3,1% der Vorstände und 12% der Aufsichtsräte weiblich. Am größten ist aufgrund der bestehenden Selbstverpflichtung der Politik der Frauenanteil in Aufsichtsräten der staatsnahen Unternehmen, der sich zwischen 2007 und 2014 von 16,1% auf 33% mehr als verdoppelt hat. Der Frauenanteil in (gehobenen) Führungs­positionen liegt bei knapp 30%.

Unterschiede in der Arbeitsmarktpartizipation von Frauen und Männern hängen in Österreich vor allem mit dem Vorhandensein von Kindern zusammen: Konkret damit, dass die Frauen den Großteil der Betreuungsarbeit übernehmen, weil die Väterbeteiligung relativ gering und das Angebot an Betreuungsplätzen vor allem für sehr junge Kinder unzureichend ist. Weniger als ein Fünftel der Väter nimmt einen (in der Regel relativ geringen) Anteil der Elternzeit in Anspruch: auch deshalb, weil nur wenige Monate der Elternzeit in Form von nicht-übertragbaren Partnermonaten gewährt werden. Im Regelfall unterbrechen die Mütter ihre Erwerbs­tätigkeit für etwa zwei Jahre. In fast 70% der Familien mit Kindern unter zwei Jahren arbeitet nur ein Elternteil.

Unbezahlte Arbeit liegt bei Frauen

Das Vorhandensein von Kindern führt somit zu einer deutlichen Auseinanderentwicklung der Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen und Männern, die bei kinderlosen jungen Männern und Frauen so gut wie identisch ist. Nach dem zweiten Geburtstag des Kindes steigen viele Mütter in Teilzeit wieder ein. In nur 20% der Familien mit Kindern unter 5 Jahren arbeiten beide Eltern Vollzeit. In Österreich ist insgesamt der Anteil der Frauen an der gesamten unbezahlten Arbeit besonders hoch: Frauen übernehmen doppelt so viel unbezahlte Arbeit wie Männer.

Die quantitativ wie qualitativ unzureichende Betreuungsinfrastruktur ist ein ­wesentlicher Grund für die geringere Arbeitsmarktpartizipation von Müttern insbesondere jüngerer Kinder. Die nach EU-Methodik ermittelte Betreuungsquote für unter Dreijährige beträgt 17% – ­gegenüber 26% im EU-Durchschnitt. Nach nationaler Erhebungsmethode haben die Ausbaubemühungen der letzten Jahre die Betreuungsquote auf 25% erhöht, bis 2017 soll die von der EU vorgegebene Quote von 33% (Barcelona-Ziel) erreicht werden. Allerdings fehlen auch dann noch Betreuungsplätze in erheblichem Umfang. Nach wie vor existieren teilweise beträchtliche Defizite bezüglich der pädagogischen Qualität sowie der Vereinbarkeitsfreundlichkeit (tägliche Öffnungszeiten, lange Schließzeiten).

Steuersystem hinderlich?

Im Abgabensystem gibt es ebenfalls einige Hindernisse für eine stärkere Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt. Zwar ist das Einkommensteuersystem grundsätzlich individualisiert und gibt somit eher einen Anreiz zur Gleichverteilung der steuerpflichtigen Einkommen. Diesem wirken allerdings einige andere Regelungen entgegen, die die bestehende Ungleichverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen stützen. Dazu gehört etwa die steuerliche Begünstigung von bis zu 10 Überstunden pro ­Monat, die in Österreich auch die im internatio­nalen Vergleich sehr langen Arbeitszeiten von Männern unterstützt.

Der Alleinverdienerabsetzbetrag für Paare mit Kindern sowie die beitragsfreie Mitversicherung nicht erwerbstätiger Partner in der Krankenversicherung stützen die Nichterwerbstätigkeit oder nur geringfügige Erwerbstätigkeit eines Partners. Dies gilt auch für die Geringfügigkeitsgrenze in der Sozialversicherung von derzeit etwa 400 Euro monatlich: Bei deren Überschreitung wird das gesamte Bruttoeinkommen fast voll sozialversicherungspflichtig, sie wirkt also als eine Barriere für den Übergang aus der geringfügigen in die versicherungspflichtige Beschäftigung.

Ein zweites Hindernis für die Ausdehnung von Beschäftigungsverhältnissen mit relativ geringen Einkommen ist der relativ hohe Eingangssteuersatz, der auch nach der geplanten Senkung von 36,5% auf 25% 2016 immer noch hoch ist.

Besser gebildet, schlechter entlohnt

Die Gleichstellungsdefizite auf dem Arbeitsmarkt beruhen auch auf einer nach wie ausgeprägten horizontalen Segregation. Zwar verfügen junge Frauen inzwischen im Durchschnitt über höhere Bildungsabschlüsse als junge Männer. Allerdings sind sie in den gut bezahlten Berufen nach wie vor unterrepräsentiert. In der Fächerwahl an Schulen und Hochschulen sowie bei Lehrberufen gibt es anhaltend große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So fokussiert sich die Hälfte der Mädchen, die einen Lehrberuf ergreifen, auf drei Lehrberufe (von insgesamt 250), nämlich Bürokauffrau, Einzelhandel und Friseurin.

Auch die Studienwahl von Frauen und Männern unterscheidet sich deutlich: Die Frauenanteile belaufen sich in der Studienrichtung Veterinär­medizin auf 80%, in den Geisteswissenschaften  auf 71% und in der bildenden und angewandten Kunst auf 62%. Männer konzentrieren sich dagegen in der Technik und der Montanistik (Männeranteile von jeweils gut drei Viertel).

Armutsrisiko Gender Pay Gap

Als Konsequenz der ungleichen Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit sowie der verti­kalen und horizontalen Segregation auf dem Arbeitsmarkt weist Österreich im EU-Vergleich den zweithöchsten geschlechtsspezifischen Lohnunterschied (Gender Pay Gap) auf: Er beläuft sich auf 23%  ̶  gegenüber 16% im Durchschnitt der EU.
Es gibt mehrere Gründe, Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu ergreifen. Erstens wünschen sich viele – vor allem jüngere – Männer und Frauen eine gleichmäßigere intrafamiliäre Aufteilung von Erwerbsarbeit und Betreuungsarbeit. Zweitens resultieren die Gleichstellungsdefizite auf dem Arbeitsmarkt in erheb­lichen Armutsrisiken für Frauen, vor allem im Alter und im Falle von Scheidung. Drittens ist eine stärkere Arbeitsmarktintegra­tion von Frauen auch aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive wünschenswert: So zeigen Studien, dass dadurch das langfristige Wachstumspotenzial von Volkswirtschaften gesteigert wird. Zudem kann eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen einen ­Beitrag zur langfristigen Finanzierbarkeit der ­sozialen Sicherungssysteme leisten. Die Beseitigung der bestehenden Gleichstellungsdefizite auf dem Arbeitsmarkt erfordert eine
breite Palette von Maßnahmen. Diese betreffen unmittelbar kurzfristig insbesondere das ­Abgaben- und Transfersystem, die Bildungs- und die ­Fami­lienpolitik.

Mögliche Maßnahmen

Eine Reihe der folgenden Ansatzpunkte wird auch im kürzlich erschienenen Länderbericht der OECD für Österreich genannt, der auf die Gender Gaps auf dem österreichischen Arbeitsmarkt fokussiert.

Folgende Maßnahmen(bündel) erscheinen als besonders relevant:

  • Beseitigung von Hindernissen für eine gleichmäßigere Verteilung der bezahlten Arbeit im Abgabensystem, vor allem Abschaffung des Alleinverdienerabsetzbetrages, Einschränkung der steuerlichen Begünstigung von Überstunden sowie der beitragsfreien Mitversicherung in der Krankenversicherung, weitere Reduktion des Eingangssteuersatzes, Senkung der Sozialversicherungsbeiträge im unteren und mittleren Einkommensbereich
  • Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen, nicht nur in quantitativer, sondern auch in qualitativer Hinsicht (Verbesserung der pädagogischen Qualität, Erhöhung der Vereinbarkeitsfreundlichkeit durch flexiblere und längere tägliche Öffnungszeiten sowie kürzere Schließzeiten), Ausbau nicht nur im frühkindlichen Bereich, sondern auch der Nachmittagsbetreuung an Schulen, Einführung eines Rechtsanspruchs auf Kinderbetreuung (nach dem Vorbild von Deutschland, Dänemark oder Schweden)
  • Abschaffung der langen Varianten des Kinderbetreu­ungsgeldbezuges, Ausdehnung des Anteils der nicht-übertragbaren Partnermonate zur Förderung der Väterbeteiligung
  • Verbesserte und frühere Information von ­Jugendlichen zu den Auswirkungen von Berufs- und Studienwahl auf Verdienst- und Karrieremöglichkeiten sowie zu den Auswirkungen längerer betreuungsbedingter Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit durch Mütter
  • Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter und Väter auf Unternehmensebene: Flexibilisierung der Arbeitszeiten, Angebot von Teilzeitoptionen auch in Führungspositionen, Ermöglichung einer intensiveren Väterbeteiligung, Kontaktpflege zu Eltern während der Elternzeit
  • Initiativen durch Politik und Unternehmen zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungs­positionen

Die skizzierten Gleichstellungsdefizite auf dem Arbeitsmarkt sind alt bekannt, ebenso wie die genannten Vorschläge für konkrete unmittelbare und kurzfristige Ansatzpunkte zu ihrer Beseitigung. Nichts desto weniger ist es – auch nach 20 Jahren „Frau und Arbeit“ – unerlässlich, weiterhin auf diese Gleichstellungsdefizite hinzuweisen und auf die Umsetzung effektiver Maßnahmen zu ihrer Behebung zu drängen: auch und gerade wegen der vielen Beobachter/innen (zu) langsam erscheinenden Fortschritte der letzten Jahrzehnte.

Mindestens ebenso wichtig ist es aber, die Gleichstellungsthematik in einen größeren und längerfristigen Zusammenhang zu stellen. Angesichts der globalen längerfristigen Trends – Klimawandel, demografischer Wandel, Postindustrialisierung und Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft – stellt sich zunehmend die Frage, wie künftig gewirtschaftet und gearbeitet werden soll. Das bestehende Wirtschaftsmodell stößt immer mehr an seine Grenzen: die Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen nimmt zu, die Emissionsintensität und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen stoßen allmählich an die biophysischen Grenzen des Planeten. Mittelfristig werden die Wirtschaftswachstumsraten nicht mehr jene in der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts erreichen können – schon aus ökologischen Gründen nicht. Damit stellt sich aber die Frage nach der Zukunft der Beschäftigung, die derzeit relativ eng an das Wirtschaftswachstum gekoppelt ist.

Mögliche Auswirkungen

Was bedeutet das für die Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben? Arbeitszeitverkürzung kann mögliche Beschäftigungsprobleme aufgrund eines geringeren Wirtschaftswachstums entschärfen. Der seit Jahrzehnten anhaltende Trend der Arbeitszeitverkürzung ist daher durch innova­tive Modelle der individuellen, aber auch der kollek­tiven Arbeitszeitverkürzung verstärkt zu unterstützen.

Grundlage dafür sollte ein neues Modell der Vollbeschäftigung sein, das auch auf egalitären Geschlechterbeziehungen beruht: insofern, als sowohl die bezahlte als auch die unbezahlte Arbeit gleichmäßig zwischen Männern und Frauen verteilt wird und dass die bezahlte Erwerbstätigkeit beider Geschlechter selbstverständlich ist. Allerdings erscheint das geltende Normalarbeitsverhältnis, dem das männliche Ernährermodell zugrunde liegt und auf dessen Verwirklichung auch für Frauen viele der aktuellen Vorschläge zur Verwirklichung der Geschlechtergleichstellung explizit oder implizit abzielen, überholt. Insbesondere dann, wenn jüngere Kinder zu betreuen sind, aber auch in Phasen der Betreuung der zunehmenden Zahl pflegebedürftiger Älterer scheint vielmehr ein neues Normalarbeitszeitmodell dringend erforderlich: ein Normal­arbeitszeitmodell, in dem für Frauen wie Männer eher dreißig als vierzig Wochenstunden die Regel sind.

Politisches Engagement gefragt

Nur so kann für beide Geschlechter ein Existenz sicherndes Einkommen verbunden werden mit den zeitlichen Ressourcen, die für die Übernahme von Betreuungs-, Pflege- und Hausarbeit sowie soziales und politisches Engagement erforderlich sind.
Ein solches neues Normalarbeitsverhältnis für ­beide Geschlechter stellt eine zentrale Voraussetzung für die Einebnung der bestehenden Einkommensunterschiede während der aktiven Teilnahme am Erwerbsleben dar, die sich in Phasen der Arbeitslosigkeit sowie im Alter fortsetzen. Es ist Teil einer Modernisierung des bestehenden Wohlfahrtsstaatsmodells, das die derzeit vielfach oft nachsorgende Sozialpolitik ergänzt um die soziale Absicherung flexiblerer Arbeitsformen für beide Geschlechter sowie eine vorsorgende Politik sozialer Investitionen, die Chancengleichheit unabhängig von Herkunft und sozialem Hintergrund sowie Geschlecht schafft.

Viel Arbeit, wenig Geld

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Hausfrau und Mutter sein, dem Ehemann den Rücken frei halten, und dabei die eigene Karriere vernachlässigen …

 

So oder ähnlich lesen sich die Lebensläufe zahlreicher Frauen. Irgendwann fehlt dann was – und zwar Jahre, die sich positiv auf dem Pensionskonto niederschlagen. Das liegt in erster Linie am System: viele Frauen arbeiten Teilzeit, um Beruf und Privatleben vereinbaren zu können. Wenn die Kinder größer sind, schaffen sie den Sprung zur Vollzeit nicht. Auch Frauen, die alles „richtig“ gemacht, aber Zeit ihres Lebens zu wenig verdient haben, sind von Altersarmut bedroht. Auf eine Veränderung zu warten, zahlt sich nicht aus. Selbst etwas zu verändern schon. Denn am Ende des Arbeitslebens zählt nur, wer wie viel wo eingezahlt hat. Denken Sie daran und handeln Sie danach. Sagen Sie uns dazu Ihre Meinung. Damit sich etwas verändert. Zeitnah.

Mein Pensionskonto

NACHGEFRAGT

im Interview Franziska S.
44 Jahre, 2 Kinder, 6 und 13 Jahre

Thema: Meine Pension

f&a: Haben Sie Ihr Pensionskonto bereits erhalten?
Ja. Ich habe mir etwas mehr erwartet. Aber ich habe ja noch ein paar Jahre zu arbeiten.

f&a: Werden Sie von Ihrer voraussichtlichen Pension leben können?
Wenn ich mit meinem Mann zusammenbleibe schon. Ansonsten geht es sich nicht aus, obwohl ich seit vielen Jahren zusätzlich in eine private Pensionsvorsorge einzahle. Wer weiß, ob die nicht noch besteuert wird.

f&a: Wenn nein, was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür?
Nach Abschluss einer höheren Schule war ich überwiegend als Sachbearbeiterin in verschiedenen Unternehmen beschäftigt mit durchschnittlichem Gehalt. Bis zur Geburt meiner Töchter auch Vollzeit. Dann war ich jeweils 3 Jahre in Karenz. Der Wiedereinstieg war äußerst schwierig. Mein vormaliger Arbeitgeber musste Personal reduzieren, so konnte ich nicht an meinen alten Arbeitsplatz zurück. Die Qualifikationen, die man durch Kindererziehung erwirbt, wie Flexibilität oder gutes Organisieren werden nicht anerkannt oder eher belächelt.

Ohne die Hilfe meiner Eltern hätte ich überhaupt nicht arbeiten können, denn die Kinderbetreuung hat nicht gepasst. Mein Mann wollte eigentlich auch in Karenz gehen – der Haushalt wäre aber weiterhin meine Verantwortung gewesen. Ich glaube, dass viele Männer eine ähnliche Vorstellung haben. Das bisschen Spielen mit den Kindern macht doch Spaß. Was darüber hinaus alles zu organisieren ist, vergessen sie leicht.

Ein Grund ist sicher auch mein Gehalt. In einem Unternehmen hat ein Kollege mit gleicher Ausbildung, gleichem Alter und gleicher Arbeitsplatzbeschreibung mehr verdient als ich.

f&a: Wurden Sie ausreichend informiert z. B. über die Folgen von Teilzeit?
Ja. Mit 34 Jahren war ich in einem Unternehmen beschäftigt: Die Betriebsrätin der Firma hat uns Frauen über die Auswirkungen von Teilzeit informiert und darauf hingewiesen, wie wichtig eine zusätzliche Vorsorge ist. Sie hat auch geraten, unbedingt mehr als 30 Stunden zu arbeiten.

f&a: Welche Strategien überlegen Sie für sich bis zur Pension und darüber hinaus?
Wenn meine jüngere Tochter fertig ist mit der Volksschule, werde ich wohl wieder Vollzeit arbeiten.

f&a: Was wünschen Sie sich von der Politik?
Ich wünsche mir, dass es mehr Anerkennung und finanzielle Vorteile für Familien mit Kindern gibt. Auch eine gezielte Förderung von Familien wäre hilfreich. Denn Kinder kosten viel Geld, das wird viel zu wenig berücksichtigt. Und es sollten Anreize geschaffen werden, dass Paare wieder mehr Kinder bekommen. Das wäre auch gut für unser Pensionssystem.

f&a: Was raten Sie jungen Frauen?
Wichtig ist eine gute Ausbildung, ein beruflicher Abschluss. Das muss nicht immer ein Studium sein. Unverzichtbar ist, ständig dranzubleiben, im Sinne von Weiterbildung. Und die jungen Frauen sollten unbedingt ihre Partner motivieren, Väterkarenz zu nehmen. Damit das so normal wird wie Mütterkarenz. Und noch etwas: Frauen sollen sich viel mehr auf die Füße stellen und Dinge, die ihnen wichtig sind einfordern.

f&a: Danke für das Interview.

Möchen auch Sie davon erzählen, wie es Ihnen im Hinblick auf Ihre Pension geht? Rufen Sie uns an 0662 880723 oder schreiben Sie eine E-Mail c.weiss@frau-und-arbeit.at

 

 

Maßnahmen zur Chancengleichheit

NACHGEFRAGT | im Interview:
BM für Bildung und Frauen Gabriele Heinisch-Hosek

VIELFACH KÖNNEN FRAUEN KAUM VON EINEM EINKOMMEN LEBEN. WELCHE KONKRETEN MASSNAHMEN MÜSSTE ES AUS IHRER SICHT GEBEN, DAMIT EINKOMMEN WIEDER EXISTENZSICHERND SIND?
Um ein „Auskommen mit dem Einkommen“ sicherzustellen kann man auf zwei Seiten ansetzen: Der Frage, wie viel man verdient, und der Frage, wie hoch die Kosten sind, die man hat. In den letzten Jahren habe ich auf der Einkommensseite mit den Maßnahmen zur Einkommenstransparenz bereits erste ganz wichtige Schritte gesetzt. Die Einkommensberichte zeigen auf, wie viel Frauen und Männer in den Unternehmen verdienen, wodurch betriebsintern offen gelegt wird, ob es hier Benachteiligungen gibt. Stellenausschreibungen müssen eine Gehaltsangabe enthalten, damit sich Bewerber/innen besser orientieren können. Und der Gehaltsrechner im Internet ist ein Instrument um zu erfahren, wie viel durchschnittlich für einen bestimmten Job je nach Berufserfahrung, Qualifikation etc. bezahlt wird.

Generell ist die Frage der Lohnhöhe aber in erster Linie durch Kollektivverträge geregelt. Gerade in den letzten Jahren haben die Gewerkschaften viele frauenpolitische Anliegen aufgenommen und wir haben auch im Regierungsprogramm  vereinbart, dass wir gemeinsam mit den Sozialpartnern die Kollektivverträge „durchforsten“. Das heißt, wir wollen uns genau anschauen, ob es darin versteckte Diskriminierungen gibt. Und auch bei der Steuerbelastung würde ich mir Verbesserungen für Frauen wünschen. Insbesondere eine geringerer Eingangssteuersatz wäre eine wichtige Maßnahme, sodass Leute mit niedrigen Einkommen weniger Steuer zahlen.

Auf der Kostenseite wissen wir, dass vor allem das Wohnen zunehmend zu einer Belastung werden kann. Deswegen sind im Regierungsprogramm auch gezielte Maßnahmen für ein leistbares Wohnen enthalten: Eine Wohnrechtsreform und die Schaffung von neuem und leistbarem Wohnraum stehen dabei im Mittelpunkt.

VON VERSCHIEDENEN SEITEN KOMMT DER VORSCHLAG; ARBEIT NEU ZU BEWERTEN (VOR ALLEM FRAUENDOMINIERTE BRANCHEN).
WAS BRAUCHT ES FÜR DIE UMSETZUNG?

Die angesprochene „Durchforstung“ der Kollektivverträge, die wir gemeinsam mit den Sozialpartner machen werden, wird auch die Bewertung von Arbeit prüfen: Welche Art von Arbeit wird wie entlohnt? Wird Arbeit in der Produktion besser bezahlt als im Sozialbereich, obwohl die Leistung und Belastung vergleichbar hoch ist? Die Bewertung von Arbeit neu zu denken ist sicher einer der zentralen Punkte aus frauenpolitischer Sicht.

DIE VEREINBARKEIT VON BERUF UND PRIVATLEBEN IST IMMER NOCH SCHWIERIG UND WIRD ZURZEIT VOR ALLEM VON FRAUEN DURCH TEILZEITARBEIT ORGANISIERT. EIN UMDENKEN DER WIRTSCHAFT IST EBENSO ERFORDERLICH WIE DAS DER ELTERN. PLANEN SIE DAZU KONKRETE MASSNAHMEN?
Zwei Ansatzpunkte sind mit hier wichtig: Ein breites Angebot an qualitätsvoller Kinderbetreuung und schulischer Nachmittagsbetreuung sowie eine bessere Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern. In den kommenden Jahren werden wir 350 Mio. Euro in den Ausbau der Krippen und Kindergärten investieren. Dabei wird es einerseits darum gehen, die dringend benötigten Plätze für die 0-2-Jährigen zu schaffen, und andererseits, die Qualität der Betreuung weiter anzuheben. Das betrifft auch die Öffnungszeiten der Einrichtungen. Gleiches gilt für den schulischen Bereich; auch hier braucht es eine qualitätvolle ganztägige Betreuung der Kinder. Deswegen werden wir hierfür in dieser Legislaturperiode 400 Mio. Euro investieren.

Mit dem einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld haben wir eine ganz wichtige Voraussetzung geschaffen, um auch Vätern besser zu ermöglichen, sich eine Zeit ganz der Kinderbetreuung zu widmen. Im öffentlichen Dienst haben wir dazu seit 1. Jänner 2011 bereits den Papa-Monat, damit die Väter gleich von Anfang an dabei sein können, wenn ihre Kinder aufwachsen. Das muss nun endlich auch für die Privatwirtschaft umgesetzt werden denn wir sehen, dass der Papa-Monat ein starker Anreiz ist, später auch in Karenz zu gehen. Mehr Väterbeteiligung bei der Kinderbetreuung wäre ein wichtiger Schritt zu einer gerechteren Aufteilung der bezahlten und der unbezahlten Arbeit.

Ich hab’s verdient

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Frauen verdienen weniger als Männer.
Und zwar um 32,5 % im Bundesland Salzburg.

Bescheidenheit ist in Geldangelegenheiten keine Zier. Denn wenn Sie in Gehaltsverhandlungen Ihr Licht unter den Scheffel stellen und nicht fordern, was Ihnen zusteht, fehlt Ihnen etwas: Geld. Am Ende des Monats ebenso wie am Ende des Arbeitslebens. Altersarmut und zu wenig Geld in der Pension sind die Folgen.

Darauf zu warten, dass sich etwas verändert, ist nicht ratsam. Was können Sie also tun?
Sagen Sie, was Ihnen missfällt. Beteiligen sie sich an der Gestaltung Ihrer Zukunft.

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

Lieben Sie Geld? NIcht?

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Dann sollten Sie das jetzt ändern.

Geld ist wichtig, definitiv. Es ist Zeichen für Erfolg und Anerkennung. Und: Geld ist mehr als nur Mittel zum Zweck. Mit Geld könen wir Essen, Kleidung, ein Auto kaufen, die Miete bezahlen, reisen. Auch unser Selbstwert hängt zu einem Teil davon ab, wie viel Geld wir haben.

Niemand spricht gerne darüber. Selbst im Freundeskreis ist Geld ein Tabuthema: weil es polarisiert, starke Gefühle hervorruft – auch unangenehme. Deshalb raten wir Ihnen: denken Sie an Geld und reden Sie über Geld. Eine gesunde Einstellung zu Geld und dem eigenen Wert ist enorm wichtig!

Nur so können Sie erfoglreich Ihr Gehalt verhandeln und werden angemessen entlohnt.

Fordern Sie, was Ihnen zusteht. Jetzt!