#2 Arbeit in Österreich

211015abschneiden_arbeit

Das wirkt sich vor allem negativ für die Frauen aus: auf die Einkommen und später auf die Pension. Maßnahmen, die dieses Ungleichgewicht beseitigen würden, gäbe es (lt. OECD 2015), hier einige Beispiele:

– Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen
– mehr Väterbeteiligung während der Elternzeit
– Abschaffung der langen Varianten des Kindergeldes
– mehr Information für Jugendliche zu den Auswirkungen von Berufs- und Studienwahl
– Verbesserung der Vereinbarkeit von Seiten der Unternehmen

Und auch ökonomische Vorteile bringt eine Modernisierung der Geschlechterrollen.

Wenn mehr Chancengleichheit und Gleichberechtigung allen mehr bringt, worauf warten wir noch?

Mythen des Reichtums

geld_postkarte_titel

Sind Vermögenssteuern ungerecht? Warum gibt es einen Armutsbericht und eine Armutskonferenz? Warum müssen die Reichen nicht ihre Vermögen offenlegen? Warum gibt es keinen exakten „Reichtumsbericht“? Kann jede/r reich werden, wenn er/sie sich genügend anstrengt und viel arbeitet?

Wissen Sie, dass 220.000 Menschen, die von der Mindestsicherung leben, weniger als 27 Euro pro Tag für Essen, Kleidung, Miete, Strom und Wasser zur Verfügung haben?

Wussten Sie, dass die 10 reichsten Familien in Österreich täglich 4,3 Millionen Euro ausgeben könnten und erst nach 50 Jahren pleite wären?

Auf Mythen des Reichtums finden Sie gute Erklärungen.

Quelle: Jahoda-Bauer Institut

Viel Arbeit, wenig Geld

pk_blog_h014_2

Hausfrau und Mutter sein, dem Ehemann den Rücken frei halten, und dabei die eigene Karriere vernachlässigen …

 

So oder ähnlich lesen sich die Lebensläufe zahlreicher Frauen. Irgendwann fehlt dann was – und zwar Jahre, die sich positiv auf dem Pensionskonto niederschlagen. Das liegt in erster Linie am System: viele Frauen arbeiten Teilzeit, um Beruf und Privatleben vereinbaren zu können. Wenn die Kinder größer sind, schaffen sie den Sprung zur Vollzeit nicht. Auch Frauen, die alles „richtig“ gemacht, aber Zeit ihres Lebens zu wenig verdient haben, sind von Altersarmut bedroht. Auf eine Veränderung zu warten, zahlt sich nicht aus. Selbst etwas zu verändern schon. Denn am Ende des Arbeitslebens zählt nur, wer wie viel wo eingezahlt hat. Denken Sie daran und handeln Sie danach. Sagen Sie uns dazu Ihre Meinung. Damit sich etwas verändert. Zeitnah.

(K)eine Pension für Frauen?

NACHGEFRAGT

im Interview Kristina Vaillant
Co-Autorin von „Die verratene Generation“
gemeinsam verfasst mit Christina Bylow

Thema: Altersarmut von Frauen

Das Buch beschreibt zwar die Lage in Deutschland,
die Situation der Frauen in Österreich ist jedoch die gleiche.

Kristina Vaillant, Jahrgang 1964, arbeitet als freie Journalistin
in Berlin und schreibt über Themen aus Wissenschaft und Forschung.
Christina Bylow, Jahrgang 1962, schreibt als freie Journalistin
für renommierte Medien in Deutschland.

f&a: Frau Vaillant, Sie haben ein Buch geschrieben mit dem Titel „Die verratene Generation“. Worin besteht der Verrat an den Frauen?

Kristina Vaillant: In dem Buch geht es um die Generation der Frauen in Deutschland, die in den Jahren zwischen 1958 und 1968 geboren sind. Heute sind sie zwischen Mitte vierzig und Mitte fünfzig. Nahezu 7 Millionen Frauen sind das, sie gehören zur Generation der Babyboomer. Viele waren die ersten Töchter in ihren Familien, die eine Ausbildung oder ein Studium absolvierten. Im Beruf sind sie trotzdem oft nicht zum Zug gekommen – auch wenn sie mit einer guten Ausbildung und mit viel Enthusiasmus ins Berufsleben gestartet sind. Sie glaubten, sie hätten nun dieselben Möglichkeiten wie ihre männlichen Altersgenossen. Tatsächlich mussten sie sich entscheiden: Familie oder Beruf. Viele sind wegen der Kindererziehung teilweise oder ganz aus dem Beruf ausgestiegen, die Hälfte dieser Frauen arbeitet Teilzeit. Etwa ein Drittel dieser Frauengeneration erwartet nun Rentenzahlungen, die nicht einmal das Existenzminimum decken werden.
Das ist der Verrat!

f&a:Warum sind Ihrer Meinung nach Frauen in diese Lage geraten?

Kristina Vaillant: Es gibt eine Vielzahl von Gründen. Sie sind in der Geschichte unseres Landes, in einem gesellschaftlichen Klima und einer Politik zu suchen, die davon ausging, dass jede Frau einen Ernährer an der Seite hat. Ihre eigenständige Existenzsicherung spielte bei wichtigen arbeitsmarkt- und rentenpolitischen Entscheidungen keine Rolle. Ein Beispiel: Als die Babyboomer in den 80er- und 90er-Jahren auf den Arbeitsmarkt drängten, war die Konkurrenz groß. Und das, was einmal Standard war, die unbefristete Vollzeitstelle, gab es immer weniger. Für die Frauen waren diese Jobs nicht vorgesehen. Sie sollten das Heer der Teilzeitkräfte und Minijobs im wachsenden Dienstleistungssektor stellen und darüber hinaus die perfekte Mutter sein. Kindergärten und Schulen entließen die Kinder in der Regel um die Mittagszeit. Das Steuerrecht in Deutschland subventioniert bis heute genau dieses Modell äußerst großzügig: gutverdienender Ehemann und hinzuverdienende Ehefrau. Berufstätige Mütter, die alleine für ihre Kinder sorgen, sind dagegen steuerlich benachteiligt.

f&a: Hat das System versagt?

Kristina Vaillant: Die Einsicht, dass dies nicht das Schicksal einzelner Frauen, sondern eine kollektive Erfahrung ist, war eine wichtige Motivation für uns das Buch zu schreiben. Wie viel System dahinter steckt, wurde uns klar, als Anfang 2012 die erste wissenschaftliche Studie zu den Rentenerwartungen der Frauen dieser Generation vorgelegt wurde. Demnach müssen 40 Prozent dieser Generation aus dem Westteil Deutschlands mit einer gesetzlichen Rente von maximal 600 Euro rechnen. Damit hatte man nicht gerechnet, weil diese Frauen ja zu 80 Prozent berufstägig sind. Aber es sind eben häufig nicht die gut bezahlten Jobs, hinzu kommen lange Unterbrechungen wegen Kindererziehungszeiten. In den neuen Bundesländern sind voraussichtlich nur 20 Prozent der Frauen davon betroffen, eine Vollzeit-Berufstätigkeit war dort auch für Mütter eine Selbstverständlichkeit, für Kinderbetreuung war gesorgt. Mit unserem Buch wollen wir zeigen, warum kein individuelles Versagen dahinter steckt, wenn die Renten der Frauen nur halb so hoch sind wie die der Männer, wenn sie nicht die Karriere gemacht haben, die ihre Qualifikation und ihre Hingabe verdienen, wenn sie bei einer Scheidung nach dem neuen Unterhaltsrecht ihren Lebensstandard einbüßen. Es war uns wichtig diese Zusammenhänge aufzuklären, gerade dann, wenn Reden über Wahlfreiheit geschwungen werden, wenn die Emanzipation als politische Aufgabe von manchen als erledigt abgehakt und wenn die Selbstoptimierung als Ausweg gepriesen wird.

f&a:Was müsste sich ändern?

Kristina Vaillant: Meiner Ansicht nach brauchen wir in Deutschland dringend eine Mindestrente, um zu vermeiden, dass Frauen, die berufstätig waren, die für Kinder und Angehörige gesorgt haben, im Alter zum Sozialamt gehen müssen. Und die Politik muss sicherstellen, dass auch die Sorge für andere honoriert wird. Teilzeit-Arbeit oder eine zeitweise Unterbrechung der Berufsstätigkeit an sich ist ja eine gute Lösung für Zeiten, in denen jemand für Kinder sorgen oder sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern will. Aber dann muss Teilzeit attraktiv werden. Und das werden solche Jobs erst dann, wenn auch Führungskräfte selbstverständlich in Teilzeit arbeiten, wenn sie Aufstiegschancen bieten und der Staat für fehlende Rentenbeiträge aufkommt. Dann wäre Teilzeit kein Abstellgleis mehr, dann ist Teilzeitarbeit für Männer wie Frauen attraktiv.

f&a: Was raten Sie jungen Frauen und können Frauen ab 50 noch etwas für sich verändern?

Kristina Vaillant: Mit dem Elterngeld und dem Ausbau der Kinderbetreuung sind junge Frauen in Deutschland nicht mehr wie die älteren vor die Entscheidung gestellt: Familie oder Beruf. Andererseits: Auch unter den 30- bis 40-jährigen Frauen arbeitet in Deutschland jede zweite in Teilzeit. Sind Kinder da, folgen auch junge Paare häufig einer traditionellen Arbeitsteilung. Welche Folgen das haben kann, ist heute kein Geheimnis mehr, das können sie von den älteren Frauen erfahren. Und die sind mit 50 keineswegs alt. Sie sind, wenn auch nicht rechnerisch, aber doch gefühlt, in der Mitte des Lebens angekommen. Sie sind reich an Berufs- und Lebenserfahrung und haben noch mindestens 15 Jahre Berufsleben vor sich. Gerade unter den älteren Frauen steigt der Anteil der Erwerbstätigen. Viele Frauen machen auch in diesem Alter noch einmal einen Sprung, übernehmen mehr Verantwortung im Beruf oder bekommen die erste feste Stelle ihres Lebens. Die Politik sollte das unterstützen, indem sie beispielsweise dafür sorgt, dass bei Bewerbungen wie in den USA keine Angaben mehr zu Alter und Geschlecht gemacht werden oder dadurch dass Altersbegrenzungen bei Beförderungen oder Stipendien wegfallen. Warum sollte man mit 50 nicht auch eine neue Ausbildung beginnen oder promovieren können?

f&a: Danke für das Gespräch.

titel_Die verratene Generation_web

Christina Bylow, Kristina Vaillant
Die verratene Generation. Was wir den Frauen in der Lebensmitte zumuten
ca. 256 Seiten, Klappenbroschur HC € 16,99 (D), E-Book € 14,99

 

Maßnahmen zur Chancengleichheit

NACHGEFRAGT | im Interview:
BM für Bildung und Frauen Gabriele Heinisch-Hosek

VIELFACH KÖNNEN FRAUEN KAUM VON EINEM EINKOMMEN LEBEN. WELCHE KONKRETEN MASSNAHMEN MÜSSTE ES AUS IHRER SICHT GEBEN, DAMIT EINKOMMEN WIEDER EXISTENZSICHERND SIND?
Um ein „Auskommen mit dem Einkommen“ sicherzustellen kann man auf zwei Seiten ansetzen: Der Frage, wie viel man verdient, und der Frage, wie hoch die Kosten sind, die man hat. In den letzten Jahren habe ich auf der Einkommensseite mit den Maßnahmen zur Einkommenstransparenz bereits erste ganz wichtige Schritte gesetzt. Die Einkommensberichte zeigen auf, wie viel Frauen und Männer in den Unternehmen verdienen, wodurch betriebsintern offen gelegt wird, ob es hier Benachteiligungen gibt. Stellenausschreibungen müssen eine Gehaltsangabe enthalten, damit sich Bewerber/innen besser orientieren können. Und der Gehaltsrechner im Internet ist ein Instrument um zu erfahren, wie viel durchschnittlich für einen bestimmten Job je nach Berufserfahrung, Qualifikation etc. bezahlt wird.

Generell ist die Frage der Lohnhöhe aber in erster Linie durch Kollektivverträge geregelt. Gerade in den letzten Jahren haben die Gewerkschaften viele frauenpolitische Anliegen aufgenommen und wir haben auch im Regierungsprogramm  vereinbart, dass wir gemeinsam mit den Sozialpartnern die Kollektivverträge „durchforsten“. Das heißt, wir wollen uns genau anschauen, ob es darin versteckte Diskriminierungen gibt. Und auch bei der Steuerbelastung würde ich mir Verbesserungen für Frauen wünschen. Insbesondere eine geringerer Eingangssteuersatz wäre eine wichtige Maßnahme, sodass Leute mit niedrigen Einkommen weniger Steuer zahlen.

Auf der Kostenseite wissen wir, dass vor allem das Wohnen zunehmend zu einer Belastung werden kann. Deswegen sind im Regierungsprogramm auch gezielte Maßnahmen für ein leistbares Wohnen enthalten: Eine Wohnrechtsreform und die Schaffung von neuem und leistbarem Wohnraum stehen dabei im Mittelpunkt.

VON VERSCHIEDENEN SEITEN KOMMT DER VORSCHLAG; ARBEIT NEU ZU BEWERTEN (VOR ALLEM FRAUENDOMINIERTE BRANCHEN).
WAS BRAUCHT ES FÜR DIE UMSETZUNG?

Die angesprochene „Durchforstung“ der Kollektivverträge, die wir gemeinsam mit den Sozialpartner machen werden, wird auch die Bewertung von Arbeit prüfen: Welche Art von Arbeit wird wie entlohnt? Wird Arbeit in der Produktion besser bezahlt als im Sozialbereich, obwohl die Leistung und Belastung vergleichbar hoch ist? Die Bewertung von Arbeit neu zu denken ist sicher einer der zentralen Punkte aus frauenpolitischer Sicht.

DIE VEREINBARKEIT VON BERUF UND PRIVATLEBEN IST IMMER NOCH SCHWIERIG UND WIRD ZURZEIT VOR ALLEM VON FRAUEN DURCH TEILZEITARBEIT ORGANISIERT. EIN UMDENKEN DER WIRTSCHAFT IST EBENSO ERFORDERLICH WIE DAS DER ELTERN. PLANEN SIE DAZU KONKRETE MASSNAHMEN?
Zwei Ansatzpunkte sind mit hier wichtig: Ein breites Angebot an qualitätsvoller Kinderbetreuung und schulischer Nachmittagsbetreuung sowie eine bessere Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern. In den kommenden Jahren werden wir 350 Mio. Euro in den Ausbau der Krippen und Kindergärten investieren. Dabei wird es einerseits darum gehen, die dringend benötigten Plätze für die 0-2-Jährigen zu schaffen, und andererseits, die Qualität der Betreuung weiter anzuheben. Das betrifft auch die Öffnungszeiten der Einrichtungen. Gleiches gilt für den schulischen Bereich; auch hier braucht es eine qualitätvolle ganztägige Betreuung der Kinder. Deswegen werden wir hierfür in dieser Legislaturperiode 400 Mio. Euro investieren.

Mit dem einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld haben wir eine ganz wichtige Voraussetzung geschaffen, um auch Vätern besser zu ermöglichen, sich eine Zeit ganz der Kinderbetreuung zu widmen. Im öffentlichen Dienst haben wir dazu seit 1. Jänner 2011 bereits den Papa-Monat, damit die Väter gleich von Anfang an dabei sein können, wenn ihre Kinder aufwachsen. Das muss nun endlich auch für die Privatwirtschaft umgesetzt werden denn wir sehen, dass der Papa-Monat ein starker Anreiz ist, später auch in Karenz zu gehen. Mehr Väterbeteiligung bei der Kinderbetreuung wäre ein wichtiger Schritt zu einer gerechteren Aufteilung der bezahlten und der unbezahlten Arbeit.

Ich hab’s verdient

pk2

Frauen verdienen weniger als Männer.
Und zwar um 32,5 % im Bundesland Salzburg.

Bescheidenheit ist in Geldangelegenheiten keine Zier. Denn wenn Sie in Gehaltsverhandlungen Ihr Licht unter den Scheffel stellen und nicht fordern, was Ihnen zusteht, fehlt Ihnen etwas: Geld. Am Ende des Monats ebenso wie am Ende des Arbeitslebens. Altersarmut und zu wenig Geld in der Pension sind die Folgen.

Darauf zu warten, dass sich etwas verändert, ist nicht ratsam. Was können Sie also tun?
Sagen Sie, was Ihnen missfällt. Beteiligen sie sich an der Gestaltung Ihrer Zukunft.

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

Was ist schon gerecht?

Antworten von Mag. Hans Holzinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen

Dike, die griechische Göttin der Gerechtigkeit hätte alle Hände voll zu tun. Denn von gerecht ist die derzeitige Situation weit entfernt: die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Die soziale Verteilung muss sich also verändern – damit die Lebenszufriedenheit auch in Österreich wieder steigt. Aber wie?

Weiterlesen

Reine Frauensache?

Antworten von Mag. Dr. Helmut P. Gaisbauer, Lektor am Fachbereich Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Salzburg, Researcher am Zentrum für Ethik und Armutsforschung

Nett, geduldig, rücksichtsvoll, hilfsbereit, fürsorglich und mitfühlend: so sollen wir sein – wurde uns Frauen als Mädchen oft gesagt. Und jetzt ist plötzlich alles anders? Wir sollen fordern, was uns zusteht, auch mal laut sein, an uns denken … Doch wie, bitte, soll das denn gehen?

Weiterlesen