62 zu 1 für Österreich

Die Debatte um die Ungleichverteilung von Vermögen ist in den letzten Tagen wieder sehr aktuell. Angeheizt durch die Ausgaben für die Asylwerber*innen in unserem Land: der Ruf nach einer Vermögenssteuer wird wieder lauter, geht es doch um die Finanzierung der steigenden Kosten bzw. um die Kürzung der Mindestsicherung.

Robert Buggler von der Armutskonferenz hat für die Februar-Ausgabe des Apropos einen Kommentar verfasst, den wir hier in ungekürzter Form wiedergeben. Wir wünschen eine erhellende Lektüre.

Februar-Kommentar für die Salzburger Straßenzeitung Apropos

Robert Buggler

62 Vermögende besitzen weltweit so viel Finanzkapital wie die „untere“ Hälfte der Weltbevölkerung, also an die 3,7 Milliarden Menschen. Die Ungleichheit bei den Vermögen hat, so die Autoren, eine Dimension erreicht, die es so noch nicht gegeben hat. Nicht nur, dass die Super-Reichen noch mehr rafften, sondern auch deshalb, weil die weniger Begüterten Verluste machten. Diese von Oxfam publizierten Zahlen haben zu einer medialen Aufmerksamkeit geführt, die nur durch die Flüchtlingsfrage getoppt wurde. Zu Recht, wie ich meine.

Und Österreich? Von den 62 Superreichen ist ja kein Einheimischer dabei. Also ein Problem der Amerikaner, Russen und Chinesen? Mitnichten. Bei uns ist es nämlich noch viel schlimmer! Einige Rechenbeispiele sollen das verdeutlichen:

Die Nationalbank kommt in ihren Vermögenserhebungen der letzten Jahre auf ein privates Bruttovermögen von ungefähr € 1,340 Billionen (welches man aufgrund des Anstiegs der letzten Jahre wohl noch nach oben korrigieren müsste). Dieser Betrag setzt sich zusammen aus Finanz- und Immobilienvermögen unter Berücksichtigung von Unternehmensbeteiligungen. Die Schätzungen der Nationalbank gehen nun davon aus, dass in Österreich die weniger vermögende Hälfte der Bevölkerung ungefähr 4 % dieses Vermögens besitzt. Das wären dann € 53,6 Milliarden. Eine beachtliche Summe, wenn man sie allerdings auf Köpfe verteilt, schaut es natürlich schon nicht mehr so toll aus. So weit, so gut.

Aber: Wenn man nun dem Reichen-Ranking der Zeitschrift Trend folgt, das jährlich die 100 vermögendsten Österreicher*innen auflistet, dann erscheint die weltweite Vermögensungleichheit nahezu paradiesisch. Denn: Allein der vermögendsten Familie in Österreich (Porsche und Piech) weist der Trend eine Summe von € 65 Milliarden zu, also mehr als lt. Nationalbank die ärmere Hälfte der Österreich*innen besitzt. Die 10 vermögendsten Österreicher*innen vereinen lt. Trend bereits €108 Milliarden auf sich, also bereits das Doppelte der unteren Hälfte. Wie war das also mit den skandalösen 62 Personen weltweit?

Gewiss, das sind Daumen-Mal-Pi-Rechnungen und vereinfachte Schätzungen, aber zumindest Hinweise darauf, dass die Vermögensungleichheit kein globales Thema, sondern ebenso ein hausgemachtes ist. Ob das politisch zum Thema wird? Vielleicht, aber zuerst gilt es, einmal die Mindestsicherung zu kürzen. Man muss ja Prioritäten setzen!

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