Wie wollen Frauen führen?

NACHGEFRAGT
im Interview Elke Vorholt
Thema: Frauenquote für Führungspositionen

Elke Vorholt ist geschäftsführende Gesellschafterin der internationalen Personalberatung LAB & Company. Beruflich und privat engagiert sich die Diplom-Kauffrau und Mutter eines Sohnes in Frauen-Netzwerken und für gender-spezifische Veranstaltungen.

f&a: Frau Vorholt, der Anteil weiblicher Führungskräfte in Spitzenpositionen ist bekanntermaßen gering. Mit der Frauenquote will die Politik diesen Umstand ändern. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass nur wenige Frauen solche Positionen besetzen?

Elke Vorholt Erstens schreckt die Dauererreichbarkeit Frauen ab. Die zunehmende Verfügbarkeit von Führungskräften auchabends, an Wochenenden und im Urlaub ist einwesentlicher Grund, dass es so wenige Frauen an derSpitze gibt; die technologische Entwicklung hat das noch verstärkt. Zweitens wollen Frauen Beruf und Familie häufig gleichermaßen gerecht werden. Irgendwann erkennen sie, dass dies kaum möglich ist. Sie machen Kompromisse – sowohl bei ihren beruflichen als auch bei den familiären Zielen. Bei Männern schlägt das Engagement-Pendel eher in Richtung Karriere aus.

f&a: Sie sagen, dass eine gesetzliche Frauenquote eher hinderlich ist. Warum?

Elke Vorholt Das Signal der deutschen Regierung ist gut gemeint – und dennoch im Ergebnis das Gegenteil von gut. Der Ansatz beruht auf der Annahme, durch eine höhere Akzeptanz von Frauen in Top-Führungspositionen würden es auch Frauen im mittleren Management leichter haben. Doch da existiert so gut wie kein Akzeptanzproblem. Wichtiger als eine Quotenregelung im Top-Management wäre daher, zunächst das Geschlechterverhältnis des mittleren Managements systematisch zu verbessern und somit das Problem an der Wurzel zu packen.

f&a: Das würde heißen, dass eine Quote nicht zum gewünschten Ziel führt und andere Probleme mit sich bringt?

Elke Vorholt Ja, denn die Quote schafft gewaltige Probleme für die Wirtschaft, insbesondere in technischen Berufen: Zum Beispiel liegt in den Ingenieurswissenschaften der Anteil weiblicher Absolventen bei gerade einmal 22 %. Wenn nur jeder fünfte Absolvent weiblich ist, ist die geforderte Frauenquote von 30 %für Führungspositionen nahezu grotesk. Wo sollen denn die 30 % qualifizierten Frauen für Spitzenpositionen herkommen?

f&a: Was schlagen Sie also vor?

Elke Vorholt Gebraucht werden gut ausgebildete Frauen vor allem im mittleren Management. Weil Frauen bereits hier in den meisten Branchen signifikant fehlen, gibt es auch nicht genügend von ihnen mit den geeigneten Profilen für die Besetzung von Aufsichtsräten und Vorständen. Sinnvoller wäre eine flexible Quote, die Jahr für Jahr nach den tatsächlichen Gegebenheiten der jeweiligen Branche aktualisiert werden oder eine branchenabhängige Zielquote über einen bestimmten Zeitraum. Dazu müssen jedoch auch die Arbeitsbedingungen angepasst werden.

f&a: Braucht es dazu nicht auch noch eine Veränderung der Rahmenbedingungen?

Elke Vorholt Unbedingt, denn Frauenförderung ist vor allem eine gesellschaftliche und kulturelle Aufgabe – angefangen von besseren und steuerlich effizienter geförderten Möglichkeiten der Kinderbetreuung bis hin zu einer Veränderung tradierter Rollenbilder. Wichtig ist auch, Frauen bereits in jungen Jahren mehr für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern. Der wichtigste Schlüssel zum Erfolg ist aber wahrscheinlich, die Arbeitsgegebenheiten stärker an die Bedürfnisse der Frauen – und immer mehr auch der Männer – anzupassen, ohne die Unternehmen zu schwächen.

f&a: Was raten Sie Frauen, die beides wollen: Kinder und Karriere?

Elke Vorholt Leider gilt immer noch: Wer nicht anwesend ist, verliert den Anschluss und seine eingesetzte Zeit wird schlechter bezahlt. Frauen rate ich, auch während der Kinderbetreuungszeit Kontakt zum Betrieb zu halten, Weiterbildungen zu machen und möglichst rasch mit anfangs geringem Stundenkontingent wieder ins Berufsleben einzusteigen. Auch Führungskräfte können Teilzeit arbeiten ? z. B. indem sich zwei Personen eine Stelle teilen oder sich einen Telearbeitsplatz einrichten lassen. Sonst führen berufliche Auszeiten schnell zu Informationsverlust.

f&a: Eine Frage zum Schluss: Was ist Ihrer Meinung dazu geeignet, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen?

Elke Vorholt Ich denke, dass die öffentliche Diskussion angeregt werden muss: mit weiblichen Vorbildern in Top-Positionen und einem Anstreben eines ausgewogenen Geschlechterverhältnisses in den unteren Ebenen. Denn es braucht eine fundamentale gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderung.

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