Maßnahmen zur Chancengleichheit

NACHGEFRAGT | im Interview:
BM für Bildung und Frauen Gabriele Heinisch-Hosek

VIELFACH KÖNNEN FRAUEN KAUM VON EINEM EINKOMMEN LEBEN. WELCHE KONKRETEN MASSNAHMEN MÜSSTE ES AUS IHRER SICHT GEBEN, DAMIT EINKOMMEN WIEDER EXISTENZSICHERND SIND?
Um ein „Auskommen mit dem Einkommen“ sicherzustellen kann man auf zwei Seiten ansetzen: Der Frage, wie viel man verdient, und der Frage, wie hoch die Kosten sind, die man hat. In den letzten Jahren habe ich auf der Einkommensseite mit den Maßnahmen zur Einkommenstransparenz bereits erste ganz wichtige Schritte gesetzt. Die Einkommensberichte zeigen auf, wie viel Frauen und Männer in den Unternehmen verdienen, wodurch betriebsintern offen gelegt wird, ob es hier Benachteiligungen gibt. Stellenausschreibungen müssen eine Gehaltsangabe enthalten, damit sich Bewerber/innen besser orientieren können. Und der Gehaltsrechner im Internet ist ein Instrument um zu erfahren, wie viel durchschnittlich für einen bestimmten Job je nach Berufserfahrung, Qualifikation etc. bezahlt wird.

Generell ist die Frage der Lohnhöhe aber in erster Linie durch Kollektivverträge geregelt. Gerade in den letzten Jahren haben die Gewerkschaften viele frauenpolitische Anliegen aufgenommen und wir haben auch im Regierungsprogramm  vereinbart, dass wir gemeinsam mit den Sozialpartnern die Kollektivverträge „durchforsten“. Das heißt, wir wollen uns genau anschauen, ob es darin versteckte Diskriminierungen gibt. Und auch bei der Steuerbelastung würde ich mir Verbesserungen für Frauen wünschen. Insbesondere eine geringerer Eingangssteuersatz wäre eine wichtige Maßnahme, sodass Leute mit niedrigen Einkommen weniger Steuer zahlen.

Auf der Kostenseite wissen wir, dass vor allem das Wohnen zunehmend zu einer Belastung werden kann. Deswegen sind im Regierungsprogramm auch gezielte Maßnahmen für ein leistbares Wohnen enthalten: Eine Wohnrechtsreform und die Schaffung von neuem und leistbarem Wohnraum stehen dabei im Mittelpunkt.

VON VERSCHIEDENEN SEITEN KOMMT DER VORSCHLAG; ARBEIT NEU ZU BEWERTEN (VOR ALLEM FRAUENDOMINIERTE BRANCHEN).
WAS BRAUCHT ES FÜR DIE UMSETZUNG?

Die angesprochene „Durchforstung“ der Kollektivverträge, die wir gemeinsam mit den Sozialpartner machen werden, wird auch die Bewertung von Arbeit prüfen: Welche Art von Arbeit wird wie entlohnt? Wird Arbeit in der Produktion besser bezahlt als im Sozialbereich, obwohl die Leistung und Belastung vergleichbar hoch ist? Die Bewertung von Arbeit neu zu denken ist sicher einer der zentralen Punkte aus frauenpolitischer Sicht.

DIE VEREINBARKEIT VON BERUF UND PRIVATLEBEN IST IMMER NOCH SCHWIERIG UND WIRD ZURZEIT VOR ALLEM VON FRAUEN DURCH TEILZEITARBEIT ORGANISIERT. EIN UMDENKEN DER WIRTSCHAFT IST EBENSO ERFORDERLICH WIE DAS DER ELTERN. PLANEN SIE DAZU KONKRETE MASSNAHMEN?
Zwei Ansatzpunkte sind mit hier wichtig: Ein breites Angebot an qualitätsvoller Kinderbetreuung und schulischer Nachmittagsbetreuung sowie eine bessere Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern. In den kommenden Jahren werden wir 350 Mio. Euro in den Ausbau der Krippen und Kindergärten investieren. Dabei wird es einerseits darum gehen, die dringend benötigten Plätze für die 0-2-Jährigen zu schaffen, und andererseits, die Qualität der Betreuung weiter anzuheben. Das betrifft auch die Öffnungszeiten der Einrichtungen. Gleiches gilt für den schulischen Bereich; auch hier braucht es eine qualitätvolle ganztägige Betreuung der Kinder. Deswegen werden wir hierfür in dieser Legislaturperiode 400 Mio. Euro investieren.

Mit dem einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld haben wir eine ganz wichtige Voraussetzung geschaffen, um auch Vätern besser zu ermöglichen, sich eine Zeit ganz der Kinderbetreuung zu widmen. Im öffentlichen Dienst haben wir dazu seit 1. Jänner 2011 bereits den Papa-Monat, damit die Väter gleich von Anfang an dabei sein können, wenn ihre Kinder aufwachsen. Das muss nun endlich auch für die Privatwirtschaft umgesetzt werden denn wir sehen, dass der Papa-Monat ein starker Anreiz ist, später auch in Karenz zu gehen. Mehr Väterbeteiligung bei der Kinderbetreuung wäre ein wichtiger Schritt zu einer gerechteren Aufteilung der bezahlten und der unbezahlten Arbeit.

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