Thema 2014: Frauen & Armut

Armut und Armutsprävention machen wir im Jahr 2014 zum Thema.

Armut ist nicht einfach nur weiblich. Frauen sind nicht deswegen arm, weil sie zu wenig leisten oder nicht ehrgeizig genug sind. Vielmehr sind es wirtschaftliche Rahmenbedingungen wie schlechtere Bezahlung jener Berufe, in denen der Frauenanteil überwiegt oder Teilzeitarbeit von Frauen, weil die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben schlicht nicht möglich ist.

Was sich verändern muss, was Frauen tun können und welche Mythen sich um Arm und Reich ranken, darüber berichten wir in unserem Blog.

 

Ein Gedanke zu „Thema 2014: Frauen & Armut

  1. Letzten Donnerstag Markttag in Salzburg: es regnet und ist kalt, dennoch scharen sich gut gekleidete und wohlgenährte Menschen essend und einkaufend rund um die Marktstände. Dazwischen geht eine kleine Frau in ärmlicher und luftiger Kleidung, ein Kleinkind auf dem Arm und bittet um eine Gabe.
    Meist gleichgültig, vielfach jedoch gestört oder gar verärgert sind die Reaktionen der Umstehenden und kaum jemand öffnet die Börse, vielmehr wird Abwertung und Verachtung ausgedrückt.
    Ich glaube, dass Menschen grundsätzlich gut sind, aber verunsichert ob der zur Schau gestellten Armut und der medialen Berichterstattung. Doch viele sind selbst nur eine Gehaltszahlung von der Armut entfernt.
    Die Entwertung der Armen und ihre Kriminalisierung hat eine lange Geschichte, an deren Anfang das aufstrebende Bürgertum steht. Mit dem Kapitalismus wuchs die Bedeutung der Lohnarbeit und rasch geschaffene „Zucht- und Arbeitshäuser“ dienten der Umerziehung und Disziplinierung der Armen und stärkten gleichzeitig die wirtschaftlichen Interessen – nämlich den disziplinierbaren und kontrollierbaren Arbeiter zu formen.
    Die „Eliten“ haben es immer schon verstanden, sich die Ärmeren dienstbar zu machen und trieben die Propaganda von „Leistungsgerechtigkeit“ und „Sozialschmarotzertum“ voran. Mit diesen Begrifflichkeiten lässt sich die stetig wachsende Kluft zwischen Arm und Reich rechtfertigen. Dazu kommt, dass bei Armut stets nach der individuellen Verantwortung gefragt wird – nach dem Motto: sie sind selbst schuld – die Armen… (vgl. Kathrin Hartmann, Wir müssen leider draußen bleiben, 2012)
    Als wären es die Armen gewesen, die ihre Sozialhilfe an der Börse verzockt und damit den Finanzmarkt zum Kollabieren gebracht hätten. Als hätten die gering Verdienenden von der Klientelpolitik zugunsten von Wirtschaft und Konzernen profitiert. Als hätten jene, die den Schutz einer Gesellschaft dringend brauchen, Schuld am Abbau des Sozialstaates, weil sie ihren Notgroschen in die Schweiz geschafft haben.
    Hinter der scheinbar rationalen Ökonomisierung unserer Gesellschaft steht die gefährliche Ideologie von Ungleichwertigkeit, die zunehmend Anerkennung findet. Eine immer größer werdende Anzahl von Menschen einfach abzuwerten, sofern sie nicht genügend geldwerten Nutzen haben, ist ökonomischer Rassismus. (vgl. ebenda, S 36)
    Die ewige Rechtfertigung der Wirtschaftsmächtigen mit Margret Thatchers Ausspruch „there is no alternative“, darf nicht länger geglaubt werden, denn es gibt eine andere Form des Wirtschaftens.
    Welche Welt und welche Gesellschaft wollen wir für unsere Kinder? Wie wollen wir leben? Was ist Gerechtigkeit? Die Menschen selbst müssen darauf dringend Antworten finden, denn die „Eliten“ werden diese Fragen nie ernsthaft stellen.
    „Arm ist, wer nicht genug von dem hat, was er braucht. In Wohlstand lebt, wer etwas mehr hat, als er braucht. Und reich ist, wer mehr hat als er braucht und bei dem dieses Mehr immer mehr wird.“ (Armutskonferent, Attac, Beigewum, Was Reichtümer vermögen, 2002, S 8)

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