Visionen einer neuen Arbeitswelt

Antworten von Mag. Hans Holzinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter
Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen

Schwer vorstellbar, dass sich ein solches Modell durchsetzt. Und die Idee ist wohldurchdacht: davon profitieren würden wir alle. Viele Visionen wurden in der Vergangenheit als Spinnereien Einzelner abgetan: Computer in Privathaushalten, das Internet etc. Doch möglich ist alles.

Was ist gute Arbeit?

Die übliche Definition bezeichnet als gute Arbeit solche Arbeit, von der Frauen wie Männer gut leben können und diese als sinnvoll erfahren. Zudem soll Arbeit weder über- noch unterfordern und deren Ergebnis soll wirklich gebraucht werden, also dem Gemeinwohl (= dem Wohle aller) dienen.

Zu ergänzen ist die ökologische Dimension (= das umweltverträgliche Ausmaß): die hergestellten Güter dürfen die Natur nicht über Gebühr belasten und der Umweltverbrauch im Herstellungsprozess muss verringert werden. Zur sozialen Dimension (= gemeinnützige Ausmaß) guter Arbeit, verkörpert in fairen Einkommen und einem fairen Arbeitsklima, kommt die ethische Dimension (= moralische Ausmaß) hinsichtlich Gebrauchswert und Umweltverträglichkeit: Rüstungsgüter oder umweltzerstörerische Geländewagen sind mit guter Arbeit unverträglich.

Wie könnte ein neuer Ansatz guter Arbeit umgesetzt werden?

Gute Arbeit erfordert neue politische Rahmenbedingungen: Gesellschaftlich notwendige, dem Gemeinwohl dienende Tätigkeiten, wie sie etwa Kindergärtner/innen oder generell Menschen in Sozialberufen leisten, müssen finanziell und gesellschaftlich aufgewertet werden. Tätigkeiten sind neu zu bewerten: Die Arbeit von Bankmanagern, in der Regel eine klassische Männerdomäne, kann beispielsweise finanziell herabgestuft werden.

Das Wirtschaftswachstum braucht eine neue Richtung: jenseits der materiellen Grundbedürfnisse soll nicht mehr der private Konsum angefeuert werden, um Konjunktur und Arbeitsplätze zu fördern. Vielmehr gilt es, den „öffentlichen Konsum“ zu fördern: damit sind öffentliche Leistungen wie gute Schulen, leistbares und schönes Wohnen für alle oder funktionierende Infrastrukturen gemeint.

Dies erfordert einen aktiven, finanzstarken Staat, der soziale Leistungen auch in Zukunft garantieren kann. Wir dürfen hier durchaus mutige, vielleicht auch visionär klingende Zukunftsbilder entwickeln. Denkbar wäre etwa statt der bisherigen „Freizeitgesellschaft“, die das Leben in Erwerbsarbeit und Konsum unterteilt, eine „Dreizeitgesellschaft“: Alle Menschen verbringen ein Drittel der Aktivzeit mit Erwerbsarbeit, ein weiteres Drittel mit Haus-, Familien und Sorgearbeit und das letzte Drittel dient der Muße oder sozialem bzw. politischem Engagement.

Manche sprechen auch von einer „Halbtagesgesellschaft“, in der im Durchschnitt nur noch 20 Wochenstunden gearbeitet würde. Notwendig hierfür sind mehr Menschen mit besseren Qualifikationen sowie eine fairere Verteilung des Erwirtschafteten. Ich persönlich halte von solchen Modellen der Arbeitszeitverkürzung mehr als von einem bedingungslosen Grundeinkommen, das die Gesellschaft spalten könnte.

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