Gesund und munter

Antworten von Karin Beer, Gesundheitsreferentin AK Salzburg

Den demografischen Wandel können wir nicht aufhalten; und alt werden wir auch alle – zwangsläufig. Wollen wir im Alter buchstäblich nicht mit leeren Händen dastehen, sind Veränderungen erforderlich: von Seiten der Wirtschaft, der Politik und den Arbeitnehmer/innen.

Was muss sich in den Betrieben ändern, damit ältere Arbeitnehmer/innen gut bis zum Pensionsantritt
beschäftigt bleiben können?

Als erstes muss sich die Einstellung gegenüber älteren ArbeitnehmerInnen ändern! Bisher werden sie immer in Verbindung mit Defiziten gesehen. Sie wären nicht mehr so leistungsfähig, könnten sich nicht mit technischen Neuerungen anfreunden, würden sich Weiterbildungsangeboten verschließen, wären häufiger krank und und und.

Dabei handelt es sich bei näherem Hinsehen um Vorurteile bzw. Klischees ohne Basis. Arbeitswissenschaftlich ist längst bewiesen, dass Altern einen Auf-, Um- und Abbau verschiedener funktioneller Kapazitäten bedeutet, die jedoch keinesfalls zu Leistungsminderungen führen müssen.

Die körperliche Leistungsfähigkeit lässt zwar im Laufe der Jahre nach, dafür steigt z B. das Qualitäts- und Verantwortungsbewusstsein, die Problemlösungsfähigkeit, die soziale Kompetenz, die Fähigkeit zum selbstständigen Handeln sowie komplexe Zusammenhänge zu verstehen ebenso wie das Erfahrungswissen und die Kompetenz zur Anleitung anderer.

Neben einer alternsgerechten Gestaltung der Arbeitsplätze (z. B. stärkeres Licht) braucht es die Anerkennung der beruflichen Erfahrung, die Möglichkeit der Weitergabe des Wissens an Jüngere (Mentoring-Programme), komplexe und abwechslungsreiche Aufgaben (z. B. Arbeitsplatzrotation), ganzheitliche und vollständige Arbeitsaufgaben und ausreichende Entscheidungs- und Handlungsspielräume (z. B. in Bezug auf die eigene Arbeitsweise, die Arbeitsmittel, die Pausen, die Arbeitsgeschwindigkeit, die Arbeitsplanung). Dann können ältere Beschäftigte gut bis zum Pensionsantritt beschäftigt bleiben!

Was muss sich in der Gesellschaft verändern?

Der nach wie vor bestehende „Jugendwahn“ ist zu hinterfragen. Der ausschließliche Blick auf die Jungen ignoriert biespielsweise die Tatsache, dass die 45- bis 59-Jährigen bereits die größte Altersgruppe der Erwerbstätigen darstellen. Nur langsam werden Ältere als Zielgruppe in der Werbung erkannt. Allerdings sind sie meist bereits in Pension, ältere ArbeitnehmerInnen sind selten präsent. Wir brauchen aber adäquate realistische und positiv besetzte Altersbilder (s.o.), um alternsangemessene Arbeits- und Lebensbedingungen zu schaffen. Eine breit angelegte Bewusstseinskampagne ist daher notwendig, um Altersbilder zu korrigieren, wie dies z. B. Finnland bereits vor zwei Jahrzehnten praktiziert hat.

Altersbilder haben aber auch Auswirkungen auf die Gesundheit. Längsschnittstudien untersuchten den langfristigen Effekt von Altersstereotypen und konnten beispielsweise zeigen, dass Personen mit negativeren Altersstereotypen Jahre später mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schlechte Gedächtnisleistungen aufwiesen als Personen mit positiveren.

In einer Studie über 23 Jahre hinweg konnte gezeigt werden, dass Personen mit einer positiveren Sicht auf das Älterwerden mehrere Jahre länger lebten als jene mit einer negativeren Sicht. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Altersbilder über die Zeit hinweg einen stärkeren Einfluss auf die Gesundheit haben, als umgekehrt der Gesundheitszustand die Altersbilder prägt. Altersbilder können also eine erhebliche Wirkung entfalten, sei es direkt (zum Beispiel über physiologische Stressreaktionen) oder indirekt (indem sie gesundheitsrelevante Verhaltensweisen beeinflussen). Altersbilder in einer Gesellschaft zu verändern, lohnt sich also!

Wie profitieren Arbeitgeber/innen von älteren Arbeitnehmer/innen?

Die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer/innen ist eine Win-Win-Situation! Die Ludwig-Maximilians-Universität München hat 7 Mio. Beschäftigte in 8.500 deutschen Betrieben aller Branchen befragt: dabei zeigte sich, dass die Produktivität durch ältere Beschäftigte steigt. Wenn der Anteil der 45- bis 49-Jährigen um 1 % zunimmt, erhöht sich die Produktivität des Betriebes um 0,5%-Punkte! Wenn speziell für Ältere ausgestattete Arbeitsplätze angeboten werden, steigt die Produktivität gar um 2%-Punkte!

Diese Ergebnisse sind vor allem auf die größere Berufserfahrung zurückzuführen, die hilft, Fehler zu vermeiden. Allerdings ist spezifisches Personalmanagement wichtig, wie z.B. Altersteilzeit, Herabsetzung von Leistungsanforderungen, Ausstattung von Arbeitsplätzen, altersgemischte Arbeitsgruppen und die Möglichkeit für Ältere an innerbetrieblicher Weiterbildung.

Darüber hinaus gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Gerechtigkeit und Innovationskraft von Unternehmen. Werden bestimmte Gruppen im Betrieb wie z. B. ältere Menschen diskriminiert und ungerecht behandelt, wirkt sich das auf die anderen Gruppen aus. Gerade im Hinblick auf das Alter fatal, da jede/r weiß, dass es ihn/sie einmal treffen könnte. Betriebe sind daher gut beraten, fair zu handeln und die Potenziale der „Oldies“ zu nutzen!

Ältere ArbeitnehmerInnen sollten sich nicht scheuen, auf ihre speziellen Fähigkeiten hinzuweisen – damit tragen auch sie dazu bei, dass sich Altersbilder verändern. Und eine schärfere Antwort auf die Frage „Wann gehst du in Pension?“ wäre wohl auch angebracht.

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