Reine Frauensache?

Antworten von Mag. Dr. Helmut P. Gaisbauer, Lektor am Fachbereich Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Salzburg, Researcher am Zentrum für Ethik und Armutsforschung

Nett, geduldig, rücksichtsvoll, hilfsbereit, fürsorglich und mitfühlend: so sollen wir sein – wurde uns Frauen als Mädchen oft gesagt. Und jetzt ist plötzlich alles anders? Wir sollen fordern, was uns zusteht, auch mal laut sein, an uns denken … Doch wie, bitte, soll das denn gehen?

Gibt es Frauenarbeit, gibt es Männerarbeit?

Tätigkeiten sind unterschiedlich gesellschaftlich anerkannt und entlohnt, organisiert und durch Machtverhältnisse geprägt. Sie sind in unterschiedlicher Weise zugänglich und verfügbar. Mehr oder weniger gesundheitlich belastend und geeignet zur Selbstverwirklichung. In jeder dieser Dimensionen sind deutliche Gender-Aspekte zulasten von Frauen und zugunsten von Männern festzustellen.

Grob gesprochen üben Frauen deutlich mehr nicht bezahlte oder schlecht bezahlte, anspruchsvolle aber uninteressante und schlecht angesehene Tätigkeiten aus. So liegt etwa Care-Arbeit (Kindererziehung, Pflege von Angehörigen) und Haushaltsführung vor allem in Händen von Frauen. Eine solche Tätigkeit lässt sich in den wenigsten Fällen in gesunder und nachhaltiger Weise mit einer Berufstätigkeit im vollen Ausmaß verbinden.

Stundenreduzierte Tätigkeiten sind aber häufig schlechter entlohnt, unsicherer und schlechter angesehen als Vollzeit-Tätigkeiten. Da das Sozialsystem grundsätzlich auf der Annahme einer vollen Berufstätigkeit gründet, ergibt sich daraus auch eine Schlechterstellung in Bezug auf Sozialversicherungs- und andere Sozialleistungen.

Kann diese mehrfache Schlechterstellung nicht durch ein weiteres Einkommen innerhalb einer Familie oder Partnerschaft ausgeglichen werden, ist die Armutsgefährdung hoch. (Abgesehen davon, dass im positiven Fall wiederum Abhängigkeiten entstehen, die massive Unterdrückung nach sich ziehen können.)

Wir sprechen von working poor, wenn das erzielte Einkommen inkl. Sozialleistungen nicht ausreicht, um entsprechende Teilhabe am gesellschaftlichen Wohlstand zu garantieren. Armut trotz Erwerbsarbeit ist kein rein weibliches Phänomen, betrifft aber deutlich mehr Frauen als Männer. Armutsgefährdung trifft wesentlich häufiger Frauen und Kinder, am häufigsten Alleinerzieherinnen. Ein Migrationshintergrund verdoppelt die Wahrscheinlichkeit von Armut betroffen zu sein zusätzlich.

Wie sehen Sie die Zukunft der Arbeitswelt, wenn sich nichts wesentliches verändert?

Der Trend der Auseinanderentwicklung zwischen sogenannten „over-achievers“ und den anderen, die nicht mithalten können, wird zu einer starken Aufspaltung der Gesellschaft führen, die weiter auf Kosten der Frauen geht. Damit riskieren wir eine Verschärfung von manifester Armut, von sozialer Ausgrenzung, die vor allem Kinder und Alleinerziehende noch stärker betreffen wird und einer deutlichen Zunahme an Altersarmut einhergeht.

Eine solche Aufspaltung würde sich auch in der Arbeitswelt in einem zweigeteilten Arbeitsmarkt niederschlagen. Womit Menschen erhöhter Erpressbarkeit ausgesetzt sind, die sie zwingt, „Erwerbsarbeit um jeden Preis“ (Martin Kronauer) anzunehmen. Diese Erpressbarkeit verstärkt die Erzeugung von Formen menschenunwürdiger Arbeit. Davon wären wiederum Frauen stärker betroffen.

Ein Gedanke zu „Reine Frauensache?

  1. Ich beobachte diese Entwicklung doch nicht in der Zukunft, sondern befinden wir uns seit sehr langer Zeit, darin.
    Es erstaunt mich, wenn hier noch im Konjunktiv gesprochen wird. Es befindet sich die Alleinerzieherin defintiv in Armut. Es gibt da nicht zu beschönigen, indem dem spricht von einer Gefährdung… denn dann muss nichts aber gar nichts geändert werden. Somit die Frauenministerin sagen kann, wie große Fortschritte für die Frauen gemacht wurden. Ich kann sie beim besten Willen nicht ausmachen. Die Allerweltslösung besteht darin, die Frauen von früh bis spät nachts, zu beschäftigen….. Damit sie nicht zum denken geschweige nachdenken kommen. Hurra. Dann braucht man auch gar nichts ändern. Es reicht weitere Sozialmärkte aufzumachen. Dann kann mit ruhigen Gewissen schlafen gegangen werden – Erstaunlich ist dass die Männer dazu beinahe gar nichts zu sagen haben. Es ist ja für Männer eine win-win Situation. Denn die kommen sehr günstig dadurch auf ihre Kosten…. Ja das ist das Ende…Ich bin sehr traurig, dass wenige Menschen den Mut finden, hier etwas zu schreiben….Vielleicht sollten mehr Männer ehrenamtlich bei Alleinerzieherinnen aushelfen … das würde nicht schaden….
    jeder zivilen Gesellschaft, die Frauen dürfen dann noch neben dem Schlafen arbeiten, damit sich Miete und Essen ausgeht. Es ist wirklich sehr sehr traurig….

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