Endlich Neues wagen

Antworten von Mag. Dr. Helmut P. Gaisbauer, Lektor am Fachbereich Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Salzburg, Researcher am Zentrum für Ethik und Armutsforschung

Gemeinsam sind wir stark. Nämlich dann, wenn wir Frauen gemeinsam mit den Männern unsere Kräfte bündeln, uns zusammentun und gemeinsam dafür eintreten, dass sich Grundlegendes zu unseren Gunsten ändert: z. B. angemessene Entlohung oder bedarfsgerechte Kinderbetreuung.

Können Frauen selbst etwas dazu beitragen,
dass die Gesellschaft gerechter wird?

Auch wenn die Rahmenbedingungen schlecht sind, ist Engagement für soziale Gerechtigkeit jedenfalls wertvoll, gewinnbringend und Teil eines individuellen guten Lebens. Mit Hannah Arendt gesprochen: mit jedem Menschen kommt ein neuer Anfang in die Welt, etwas Neues anzufangen ist die größte Macht, die dem Menschen mitgegeben ist. Macht bedeutet bei Hannah Arendt die Fähigkeit, zusammenzuwirken – Frauen, die sich gemeinsam für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen können.

Dass Mehrfachbelastung diese Chancen sehr reduziert, liegt auf der Hand und verdeutlicht nur den Wert von Frauenorganisationen, die sich für Bewusstseinsbildung und Unterstützung einsetzen. Ein „Dauerbrenner“ ist sicherlich die gesellschaftliche Bewertung (und wünschenswerte Vergütung) von unbezahlter Arbeit innerhalb der Familie.

Ein Ansatz für mehr soziale Gerechtigkeit wäre ein Gleichgewicht zwischen Zuteilung nach Bedarf, nach Verdienst (Leistung) sowie unabhängig von Merkmalen (Gleichheit), die nicht nach Geschlecht, Alter, Herkunft usw. benachteiligt. Insgesamt wäre darauf zu achten, dass sich Menschen zugehörig fühlen können (Anerkennung), Verwundbarkeit möglichst reduziert wird und Spielräume für die Lebensgestaltung eröffnet werden. Damit wären entscheidende Dimensionen einer wirksamen Armutsbekämpfung angesprochen.

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