30 Stunden sind genug

Antworten von Gabi Proschofski, ÖGB Frauensekretärin, Salzburg

Eine neue Arbeitskultur braucht das Land: Denn viele Menschen haben keine Freude mehr an ihrer Arbeit, sind über- oder unterfordert und der Druck nimmt ständig zu. Eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit wäre ein Schritt in die richtige Richtung.

Viele behaupten, dass durch eine generelle verkürzung der Arbeitszeit bei gleichbleibendem Gehalt viele Probleme gelöst wären. Wie sehen Sie das?

In gewisser Hinsicht stimme ich dem zu, da zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen würden und die Erholungsphasen länger wären; was sich in erster Linie positiv auf den gesundheitlichen Aspekt auswirken würde.

Welche Vorteile und Nachteile hat das Modell?

Vorteile Schaffung von Arbeitsplätzen, mehr Freizeit und somit Erholungsphasen. Senkung der psychischen Belastung (Burn-out), bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Nachteile Wenn damit einhergehend keine neuen Arbeitsplätze geschaffen werden, steigt die Zahl der Überstunden ins Unendliche. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse (Arbeitende, die keinen Schutz haben, nur unzureichend abgesichert sind und Arbeitslose) wären die Folge.

Wogegen wehren sich die Gegner/innen dieses Vorschlages?

Hauptsächlich gegen Mehrkosten, die entstehen würden, wenn mehr Arbeitskräfte eingestellt werden müssten. Den Unternehmen würde weniger flexible Arbeitszeit zur Verfügung stehen und es würde heißen, dass dies schädlich für den Wettbewerb wäre.

Wie kann eine Umsetzung gelingen?

Dies muss auf Ebene der Sozialpartner/innen (Arbeiterkammer, Gewerkschaft, Landwirtschaftskammer und Wirtschafskammer) geschehen, ev. mit einem Generalkollektivvertrag, der die Arbeitszeit verkürzt. Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Sensibilisierung und Aufklärung der Arbeitnehmer/innen.

2 Gedanken zu „30 Stunden sind genug

  1. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist nicht die Lösung – weder für die psychische Überforderung einzelner ArbeitnehmerInnen, für die Motivation und die Freude noch für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Wie kurzfristig dieses Denken doch greift! Eine Verkürzung der Arbeitszeit richtet sich massiv gegen den Wirtschaftsstandort Österreich. Mit solchen Rahmenebedingungen vertreiben wir sämtliche Investoren …. bitte auch ein bisschen unternehmerisch denken, denn dort – und nur dort bei den UnternehmerInnen – werden unsere Arbeitsplätze geschaffen! Wie schlecht der Staat als Unternehmer ist, hat er in der Vergangenheit zur Genüge bewiesen …

  2. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes hängt von vielen Faktoren ab, u.a. von der Innovationskraft der MitarbeiterInnen in den Unternehmen und ihrem Qualifikationsniveau. Österreich liegt in Bezug auf die durchschnittliche tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit für Vollzeitbeschäftigte an 7. Stelle der EU 27 Mitgliedsstaaten (siehe Eurofound (2012): Annual update on working time
    developments 2011) und damit weit über dem Durchschnitt sowohl der EU-27 als auch der EU-15! In den Niederlanden, Polen, Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland z.B. wird wesentlich kürzer gearbeitet – das sind nicht unbedingt Krisenländer …

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