Frauenförderung wozu?

Antworten von Karin Beer, Gesundheitsreferentin AK Salzburg

Ist doch alles gut, so wie es ist. Oder doch nicht? Ungerecht ist das schon, dass Männer mehr verdienen als Frauen. Obwohl Frauen doch auch viel leisten. Damit sich das ändert, müssen Frauen und Männer allerdings an einem Strang ziehen.

Es wird immer behauptet, dass Leistung sich lohnt.
Heißt das, dass eine Kindergärtnerin weniger leistet
als ein Bauarbeiter? 

Nein, auf keinen Fall! Leider sind die Bewertungssysteme für Arbeit, die Grundlage für die Einkommensfindung sind, vor allem auf männliche Kriterien abgestellt: Muskelkraft, technisches Geschick oder Verantwortung für Maschinen stehen dabei im Vordergrund. Würden die Verantwortung für Menschen, kommunikative Fähigkeiten, das Weitergeben von Wissen einen höheren Stellenwert besitzen, würde es wohl anders aussehen.

Woran misst sich Leistung?

Privatwirtschaftlich gesehen am Beitrag zum betriebswirtschaftlichen Erfolg. Der Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlergehen würde ein anderes Bild ergeben, wie eine englische Studie deutlich macht. Eine Reinigungskraft in einem Kindergarten hätte mit dieser Betrachtungsweise eine höhere Leistung erbracht, ein/e Steuerberater/in sogar eine „negative“ Leistung.

Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es?

Das Stichwort lautet: diskriminierungsfreie Arbeitsbewertungssysteme! Sogenannte „Soft Skills“ müssten mit in die Bewertung einfließen, d. h. Fähigkeiten und Fertigkeiten im Bereich der Kommunikation, Ausstrahlung und Arbeitstechniken. Im Bereich der Geldwirtschaft wurden z. B. vor Jahren besondere Kriterien für die Entgeltfindung formuliert, u.a. die Fähigkeit Mitarbeiter/innen einzuschulen. Davon profitierten viele Frauen, da diese Aufgabe zumeist ihnen zufällt.

Was kann die Politik tun?

Einerseits Problembewusstsein schaffen, andererseits die Bedingungen für Wirtschaftsförderungen von diskriminierungsfreien Arbeitsbewertungssystemen und Frauenförderplänen abhängig machen. Nur so kann am effektivsten Druck auf die Unternehmen ausgeübt werden.

Was kann die Gesellschaft tun?

Es müsste ein Gegenmodell zur rein wirtschaftlich orientierten Leistungsbeurteilung entwickelt werden. Die bereits zitierte britische Studie zeigt auf, dass der gesellschaftliche Wert einer Leistung ganz andere Ergebnisse erbringt.

Was kann jede/r Einzelne tun?

Frauen sollten mit mehr Selbstbewusstsein in Gehaltsverhandlungen gehen, schließlich geht es um ihre finanzielle Selbstständigkeit – während der Berufstätigkeit und auch in der Pension. Und Männer sollten sich auf die Seite der Frauen stellen, schließlich wirkt sich die nicht adäquate Bezahlung auf die Haushaltseinkommen aus.

Ob Sie verdienen, was Sie verdienen zeigt Ihnen der Gehaltsrechner.

Schreibe einen Kommentar