Das Blog: Frauen gestalten Zukunft mit.
Sie haben was zu sagen?

Sie haben genug davon, wie mit Frauen umgegangen wird?
Sie möchten ein Einkommen, von dem Sie leben können,
sich frei entscheiden, ob Sie Teilzeit oder Vollzeit arbeiten?
Sie wollen eine Wohnung, die Sie sich leisten können?
Und in Pension gehen, ohne dass Sie arm sind?

Sagen Sie uns, was Ihnen nicht gefällt, was aus Ihrer Sicht notwendig ist,
dass sich etwas verändert oder auch, was Sie gut finden.

Wir sammeln Ihre Stimmen und leiten Sie an die Verantwortlichen weiter.






Tückische Fallen und Lücken

Knapp 50 Prozent der Frauen in Österreich tappen also in eine Falle – in die Teilzeitfalle nämlich. Doch damit nicht genug: nach vielen Jahren in besagter Falle entsteht eine Lücke, und zwar eine, die monatlich immerhin 613 Euro ausmacht. Nämlich dann, wenn man die durchschnittliche Pension eines Mannes mit jener einer Frau vergleicht. Worin das mündet, darüber ist regelmäßig in den Medien zu lesen: der Altersarmut. Von Frauen versteht sich. Weil die meisten Beziehungen nicht ewig halten und kein adäquates Versorgungsmodell sind.

Doch diese Altersarmut ist nur zum Teil hausgemacht. Überwiegend sind es strukturelle oder gesellschaftspolitische Gründe, dass Frauen in Sachen Gehalt bzw. Pension schlechter dastehen als Männer. Nehmen wir zum Beispiel die unbezahlte Arbeit, also Kindererziehung, Pflege und Hausarbeit. Männer wenden dafür wöchentlich rund 18 Stunden auf, Frauen hingegen rund 31 Stunden (Statistik Austria, Zeitarbeitsstudie). Das sind für Frauen täglich schon 4,42 Stunden, in denen sie keiner Erwerbstätigkeit nachgehen können.

Schlafen muss Frau auch irgendwann, damit sie sich am nächsten Tag wieder ihren vielen Aufgaben widmen kann. Also ziehen wir noch 8 Stunden pro Tag dafür ab, macht in Summe 12,42 Stunden. Dann ist der halbe Tag schon um, bleiben 11,58 Stunden – in denen theoretisch Geld verdient werden kann. Allerdings haben Frauen neben Arbeit, Hausarbeit, Pflege und Kinderbetreuung auch noch eigene Interessen. Sie möchten soziale Kontakte pflegen, entspannen, Freizeitbeschäftigungen nachgehen, ach und auch mal was essen …  Dafür veranschlagen wir 2 Stunden pro Tag (völlig illusorisch zwar, aber ist ja alles nur theoretisch). Bleiben 9,58 Stunden pro Tag.

Theoretisch kann Frau dann an 5 Tagen die Woche jeweils 8 Stunden an ihrem Arbeitsplatz verbringen und Geld verdienen. Was allein schon aufgrund der Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen kaum möglich ist oder in Ferienzeiten, in denen die Kinder ebenfalls betreut werden müssen. Oder wegen der fehlenden/teuren Betreuung für Schulkinder. Und die vielen anderen Dinge, die erledigt werden müssen und um die sich sonst niemand kümmert. Frauen hätten täglich noch einen Zeitüberschuss von 1,58 Stunden zur freien Verfügung. Wenn da nicht Kinder wären, die krank werden oder anderes Unvorhergesehenes passiert.

Sie meinen, zu theoretisch? Stimmt wahrscheinlich. Doch sind nicht auch die Diskussionen immer zu theoretisch? Einzig sinnvoll wäre, die Rahmenbedingungen den Gegebenheiten anzupassen und nicht umgekehrt. Mehr Väterkarenz, bessere Entlohnung von typischen Frauenberufen (speziell der Carearbeit), existenzsicherende Einkommen, Neubewertung der Arbeit, Bewusstsein der Männer schärfen, dass Veränderungen der Strukturen ihnen gleichermaßen zugutekommen, Neuverteilung der Arbeit, Verkürzung der Ferienzeiten, Anhebung der Altersgrenze auf 15 Jahre für die Abschreibung von Kinderbetreuung ..

Und alle Männer, die laut aufschreien, wenn es um Gender Pay Gap und Chancengleichheit geht: erstens profitieren sie ebenfalls von einer Veränderung (mehr Einkommen für Frauen = mehr Familieneinkommen = mehr Zufriedenheit = mehr Freizeit = mehr Gesundheit) und zweitens hätten sie mehr Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen können. Kinderlose Frauen und Männer würden mehr Zeit für sich und ihre Hobbys haben.

Eine Neubewertung der Arbeit (höhere Bewertung von Tätigkeiten, die der gesamten Gesellschaft dienen) würde ein Gleichgewicht bringen und Frauen aus der Teilzeit- und Armutsfalle herausholen.

Hat Frau Gabalier auch eine Meinung?

Zahlreiche Kommentare auf facebook zum Sager von Andreas Gabalier „Meine Frau bleibt als Mutter zu Hause“, die das herrschende Rollenbild verteidigen und befürworten, zeigen wieder einmal überdeutlich, dass die patriarchalen Strukturen nicht kleinzukriegen sind.

Klar soll es Wahlfreiheit geben – die gibt es aber de facto nicht. Oder wenn, dann nur für eine elitäre Schicht, „die es sich leisten kann“. Allerdings hat diese Wahlfreiheit neben dem Geld-Aspekt noch einen ganz anderen, der kaum gesehen wird: wie Frauen sich finanziell bis zur Pension absichern bzw. ein eigenes Einkommen erwirtschaften, von dem sie auch leben können (falls es dann mal mit der Liebe vorbei ist).

Denn vielfach ist es doch so, dass Frauen von ihren Ehemännern ausgestauscht werden. Gegen jüngere Frauen nämlich. Und all jene, die ihren Männern „den Rücken freigehalten und sich um das Haushaltsmanagement und die Kinder gekümmert haben“ fallen in ein tiefes Loch. Ohne Arbeit, ohne Geld, ihre Perspektive: Abhängigkeit vom Gutdünken des Ex-Mannes und Altersarmut. Verklärte romantische Wunschbilder tragen also nicht dazu bei, dass gesellschaftspolitisch endlich die längst fällige Veränderung erfolgt.

Was uns zum Feminismus führt; der kommt nämlich allen zugute: Frauen wie Männern. Männern schadet es nicht, wenn sie Feministen sind und daran glauben, dass Frauen und Männer gleich viel wert sind und gleich viel zu sagen haben. Davon profitieren laut Weltbank die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik.

Die Alten werden immer jünger

Die Arbeitslosenquote steigt, der Arbeitsmarkt verändert sich, immer mehr ältere Menschen finden keine Arbeit. Das liegt laut neuesten Erhebungen nicht etwa daran, dass die Arbeitslosenquote der über 50-Jährigen gestiegen ist – es liegt am demografischen Wandel. Was wiederum heißt, dass der Anteil der Menschen über 50 Jahren an den Arbeitslosen höher ist.

Die Gesellschaft überaltert, das ist nichts Neues. Neu ist, dass älter sein bereits mit 45 beginnt. Also nach heutiger Lebenserwartung in der „Blüte“ des Lebens, in der Lebensmitte. Ziemlich grotesk, oder? Manche Frauen werden in diesem Alter erstmals Mutter, fangen beruflich noch einmal neu an oder haben ihr Karriereziel eben erreicht.

Lifestylemagazine titeln gar, dass Frauen mit 50 (für den Arbeitsmarkt bereits ein Dinosaurier) in der Blüte ihres Lebens stehen und sich so jung fühlen wie nie. Wenn ihnen allerdings die Lebensgrundlage, nämlich eine existenzsicherende Arbeit, entzogen wird, ist es mit der Blüte schnell vorbei. Denn ohne Geld und Aussicht auf einen neuen Job lebt es sich gleich nicht mehr so schön.

Die Definition von Alter in unserer Gesellschaft und der Umgang damit sollte uns  jedenfalls nachdenklich stimmen. Wir sind zwar mit 45 bereits zu alt für den Arbeitsmarkt, nach Anhebung des Frauenpensionsalters müssen wir uns aber noch 20 Jahre auf diesem Arbeitsmarkt halten. Die Frage ist nur: wie?

 

62 zu 1 für Österreich

Die Debatte um die Ungleichverteilung von Vermögen ist in den letzten Tagen wieder sehr aktuell. Angeheizt durch die Ausgaben für die Asylwerber*innen in unserem Land: der Ruf nach einer Vermögenssteuer wird wieder lauter, geht es doch um die Finanzierung der steigenden Kosten bzw. um die Kürzung der Mindestsicherung.

Robert Buggler von der Armutskonferenz hat für die Februar-Ausgabe des Apropos einen Kommentar verfasst, den wir hier in ungekürzter Form wiedergeben. Wir wünschen eine erhellende Lektüre.

Februar-Kommentar für die Salzburger Straßenzeitung Apropos

Robert Buggler

62 Vermögende besitzen weltweit so viel Finanzkapital wie die „untere“ Hälfte der Weltbevölkerung, also an die 3,7 Milliarden Menschen. Die Ungleichheit bei den Vermögen hat, so die Autoren, eine Dimension erreicht, die es so noch nicht gegeben hat. Nicht nur, dass die Super-Reichen noch mehr rafften, sondern auch deshalb, weil die weniger Begüterten Verluste machten. Diese von Oxfam publizierten Zahlen haben zu einer medialen Aufmerksamkeit geführt, die nur durch die Flüchtlingsfrage getoppt wurde. Zu Recht, wie ich meine.

Und Österreich? Von den 62 Superreichen ist ja kein Einheimischer dabei. Also ein Problem der Amerikaner, Russen und Chinesen? Mitnichten. Bei uns ist es nämlich noch viel schlimmer! Einige Rechenbeispiele sollen das verdeutlichen:

Die Nationalbank kommt in ihren Vermögenserhebungen der letzten Jahre auf ein privates Bruttovermögen von ungefähr € 1,340 Billionen (welches man aufgrund des Anstiegs der letzten Jahre wohl noch nach oben korrigieren müsste). Dieser Betrag setzt sich zusammen aus Finanz- und Immobilienvermögen unter Berücksichtigung von Unternehmensbeteiligungen. Die Schätzungen der Nationalbank gehen nun davon aus, dass in Österreich die weniger vermögende Hälfte der Bevölkerung ungefähr 4 % dieses Vermögens besitzt. Das wären dann € 53,6 Milliarden. Eine beachtliche Summe, wenn man sie allerdings auf Köpfe verteilt, schaut es natürlich schon nicht mehr so toll aus. So weit, so gut.

Aber: Wenn man nun dem Reichen-Ranking der Zeitschrift Trend folgt, das jährlich die 100 vermögendsten Österreicher*innen auflistet, dann erscheint die weltweite Vermögensungleichheit nahezu paradiesisch. Denn: Allein der vermögendsten Familie in Österreich (Porsche und Piech) weist der Trend eine Summe von € 65 Milliarden zu, also mehr als lt. Nationalbank die ärmere Hälfte der Österreich*innen besitzt. Die 10 vermögendsten Österreicher*innen vereinen lt. Trend bereits €108 Milliarden auf sich, also bereits das Doppelte der unteren Hälfte. Wie war das also mit den skandalösen 62 Personen weltweit?

Gewiss, das sind Daumen-Mal-Pi-Rechnungen und vereinfachte Schätzungen, aber zumindest Hinweise darauf, dass die Vermögensungleichheit kein globales Thema, sondern ebenso ein hausgemachtes ist. Ob das politisch zum Thema wird? Vielleicht, aber zuerst gilt es, einmal die Mindestsicherung zu kürzen. Man muss ja Prioritäten setzen!

#3 Einkommen

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Frauen verdienen weniger als Männer – dieses Ungleichgewicht wird nicht nur alljährlich am Equal Pay Day kritisiert. Zum reichsten Zehntel der Einkommensbezieher und -bezieherinnen zählen rund 15,3% der Männer aber nur 4,1% der Frauen. Umgekehrt ist die geschlechtsspezifische Verteilung beim einkommensschwächsten Zehntel (Einkommen unter 728 Euro): hier finden sich 14,5% der Frauen aber nur 6,0% der Männer.

Rund 10% der Österreicherinnen und Österreicher verdienen nur 457 Euro im Monat, im Vergleich dazu erhalten 10% der am besten Verdienenden 4.057 Euro pro Monat für ihre Arbeitsleistung. Den größten Anteil haben Menschen mit mittlerem Einkommen und rund 1.397 Euro pro Monat.

#2 Arbeit in Österreich

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Das wirkt sich vor allem negativ für die Frauen aus: auf die Einkommen und später auf die Pension. Maßnahmen, die dieses Ungleichgewicht beseitigen würden, gäbe es (lt. OECD 2015), hier einige Beispiele:

– Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen
– mehr Väterbeteiligung während der Elternzeit
– Abschaffung der langen Varianten des Kindergeldes
– mehr Information für Jugendliche zu den Auswirkungen von Berufs- und Studienwahl
– Verbesserung der Vereinbarkeit von Seiten der Unternehmen

Und auch ökonomische Vorteile bringt eine Modernisierung der Geschlechterrollen.

Wenn mehr Chancengleichheit und Gleichberechtigung allen mehr bringt, worauf warten wir noch?

Zahl der Woche

2/3 : 1/3

Wöchentlich leisten Frauen 123 Mio. unbezahlte Stunden; davon 17,5 Mio. Stunden für Kinderbetreuung, 1,1 Mio. Stunden für Pflege von Angehörigen und 99,2 Mio. Stunden im Haushalt. Die wöchentliche Erwerbstätigkeit von Frauen beträgt rund 71,4 Mio. Stunden.

Männer arbeiten 111 Mio. Stunden bezahlt und nur 63,6 Mio. Stunden unbezahlt.